Electrified Genesis G80 im Test: Luxus ohne deutsche Arroganz?

Mit dem neuen Electrified Genesis G80 greift die koreanische Premiummarke erneut die etablierte Luxusklasse an. BMW 7er, Mercedes EQE und EQS oder Audi A8 sind seit Jahrzehnten gesetzt. Genesis hingegen ist hierzulande noch immer so etwas wie der stille Herausforderer. Wer sich jedoch ernsthaft mit dem G80 beschäftigt, merkt schnell, dass dieser Herausforderer verdammt gut vorbereitet ist. Schon der erste Eindruck überzeugt. Mit einer Länge von 5,13 Metern wirkt der G80 souverän und elegant, ohne dabei protzig aufzutreten. Das Design bleibt bewusst zurückhaltend, aber extrem stimmig. Die markentypischen zweigeteilten Leuchten, der große Crest Kühler und die klaren Linien verleihen der Limousine eine Präsenz, die eher an britischen Luxus als an deutsche Dominanz erinnert.
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- 1 tl;dr: Eine Ansage an die europäischen Hersteller.
- 2 Videobericht:
- 3 Design: Bentley will ihren Grill wieder.
- 4 Innenraum: auf Oberklasse-Niveau, wenn nicht sogar darüber.
- 5 Fahrgefühl: zwischen Komfort und Souveränität
- 6 Infotainment: üppige Displaylandschaft mit Licht und Schatten
- 7 Laden: nicht auf der Höhe der Zeit.
- 8 Wieso Genesis, was machen sie anders?
tl;dr: Eine Ansage an die europäischen Hersteller.
Der neue Genesis G80 zeigt eindrucksvoll, dass echter Luxus nicht zwingend aus Deutschland kommen muss. Für rund 90.000 Euro bietet die 5,13 Meter lange Luxuslimousine ein extrem hochwertiges Interieur, serienmäßige Technik wie Luftfahrwerk mit Straßenscan, Allradlenkung und viel Komfort. Schwächen zeigt vor allem die überladene Software. Ladeleistung und 400 Volt Technik wirken im Premium Umfeld etwas konservativ. Insgesamt aber ein beeindruckendes Gesamtpaket mit viel Charakter. Und vor allem einem deutlich niedrigeren Einstiegspreis als eine S-Klasse oder 7er BMW.
Videobericht:
Design: Bentley will ihren Grill wieder.
Beim Design des Genesis G80 wird schnell klar, warum die Limousine so souverän und edel wirkt. Verantwortlich dafür ist kein Geringerer als Luc Donckerwolke, ehemaliger Bentley Designer, der dem G80 eine klar britisch inspirierte Formensprache verpasst hat. Lange Motorhaube, kurze Überhänge und eine fließende Dachlinie sorgen für eine sehr elegante Silhouette, die eher an einen Continental GT als an eine klassische Business Limousine erinnert. Besonders auffällig sind die neuen Matrix LED Scheinwerfer mit moderner Microlens Technologie.
- Bild: TechnikNews
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Diese sorgen nicht nur für eine markante Lichtsignatur, sondern auch für eine außergewöhnlich gleichmäßige und weitreichende Ausleuchtung der Straße. Gerade bei Nachtfahrten spielt der G80 hier seine Stärken aus und lässt selbst hochpreisige Systeme von BMW und Mercedes erstaunlich alt aussehen. Das Design wirkt insgesamt zeitlos, hochwertig und bewusst zurückhaltend, ganz ohne übertriebene Effekthascherei. Genau diese Eleganz macht den Genesis G80 zu einer der stilvollsten Erscheinungen in der aktuellen Luxusklasse.
Innenraum: auf Oberklasse-Niveau, wenn nicht sogar darüber.
Öffnet man die Türen, wird schnell klar, wo Genesis seine Prioritäten setzt. Das Interieur ist ein echtes Statement. Großflächiges Nappaleder, offenporige Echtholz Applikationen und sauber verarbeitete Metallelemente bestimmen das Bild. Alles fühlt sich wertig an, nichts wirkt billig oder nach Kostendruck. Selbst versteckte Bereiche sind sauber verarbeitet, etwas das selbst bei BMW und Mercedes nicht immer selbstverständlich ist.
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Die Sitze bieten exzellenten Langstreckenkomfort. Sie sind großzügig geschnitten, vielfach elektrisch einstellbar und bieten eine sehr angenehme Polsterung. Eine Massagefunktion erwartet man hier vielleicht eher in der zweiten Sitzreihe, aber nein nur der Fahrer und Beifahrer werden damit ausgestattet. Gerade im Vergleich zu teils sportlich hart ausgelegten Sitzen deutscher Konkurrenten punktet der G80 mit echter Reiselimousinen DNA. Auch im Fond geht es großzügig zu. Beinfreiheit, Kopffreiheit und Materialqualität bewegen sich klar auf Oberklasse Niveau.
Allerdings lässt der Kofferraum, dank seiner nicht umklappbaren Rücksitze, zu wünschen übrig. Ein Kofferraumvolumen welches bei 5,13m eher einem VW Golf entspricht. Habe ich auch sehr selten bisher gesehen. Ganze 334 Liter bekommt man hier unter, für eine ausgedehnte Familienreise könnte dies ein Deal-Breaker sein.
Hier sind Optionen bereits Serie
Ein großer Pluspunkt des Genesis G80 ist die Serienausstattung. Während man bei BMW und Mercedes schnell in fünfstellige Aufpreisregionen rutscht, liefert Genesis viele Features ab Werk. Dazu zählt auch das aktive Luftfahrwerk mit Pre Sense Technik. Kameras scannen permanent die Straße und passen das Fahrwerk vorausschauend an Unebenheiten an. Das Ergebnis ist ein extrem geschmeidiger Abrollkomfort, besonders auf schlechten Straßen.
Ergänzt wird das Ganze durch eine serienmäßige Allradlenkung. Gerade in der Stadt überrascht der große G80 mit einem erstaunlich kleinen Wendekreis. Parkhäuser und enge Innenstädte verlieren ihren Schrecken. Auf der Autobahn sorgt die Hinterachslenkung gleichzeitig für zusätzliche Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten.
Ebenso gibt es sogar eine UV-Reinigungsfunktion für ein Fach in der Mittelkonsole, dass ist echt ein cooler Features.
Fahrgefühl: zwischen Komfort und Souveränität
Der Genesis G80 ist kein Sportler und will es auch nicht sein. Stattdessen vermittelt er eine sehr ruhige, gelassene Fahrweise. Das Luftfahrwerk filtert Unebenheiten nahezu vollständig heraus, ohne schwammig zu wirken. Lenkung und Fahrwerk sind klar auf Komfort ausgelegt, bieten aber jederzeit ausreichend Rückmeldung.
Die Geräuschdämmung ist hervorragend. Abroll und Windgeräusche bleiben selbst bei höheren Geschwindigkeiten angenehm im Hintergrund. Gerade hier zeigt sich, wie ernst Genesis das Thema Luxus nimmt. Der G80 lädt zum entspannten Gleiten ein und erinnert mehr an klassische Oberklasse Limousinen als an moderne Elektro Sportler.
Infotainment: üppige Displaylandschaft mit Licht und Schatten
Das durchgängige OLED Display zieht sofort die Blicke auf sich. Optisch ist das System ein echtes Highlight. Die Darstellung ist gestochen scharf, Farben wirken edel und die Animationen flüssig. In Sachen Design spielt Genesis hier klar auf Augenhöhe mit den deutschen Premium Herstellern.
In der Bedienung zeigt sich jedoch eine Schwäche. Die Software wirkt teilweise überfrachtet. Viele eigentlich offensichtliche Einstellungen sind tief in Untermenüs versteckt. Man sucht sich im Alltag öfter einen Wolf, wenn man bestimmte Funktionen ändern möchte. Immerhin ist die Bedienung dank BMW iDrive ähnlichem Drehdrücksteller durchaus gelungen. Positiv hervorzuheben ist jedoch die clevere Shortcut Lösung. Sowohl der Lane Assist als auch das EU Tempo Warnsignal lassen sich jederzeit direkt über das Lenkrad deaktivieren. Kein nerviges Suchen im Menü, kein erneutes Bestätigen nach jedem Start. Das ist praxisnah und verdient Lob.
- Bild: TechnikNews
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Immerhin bietet Genesis hier genau wie Hyundai und Kia, einen Ladeanbieter-Filter der nach Wunsch in die gut funktionierende Ladeplanung euren Lieblings Anbieter einfügt. Das bietet Mercedes aktuell leider noch nicht an. Die Ladeplanung im generellen könnte noch etwas schneller die ganze Route berechnen. Dies ist aber meckern auf hohem Niveau. Zuverlässig ist sie allemal und die berechneten Werte sind eher konservativ, so dass man meistens mit mehr Prozent ankommt als auf dem Display angegeben ist.
Laden: nicht auf der Höhe der Zeit.
Der Genesis G80 Electrified nutzt einen 94,5 kWh großen NMC Akku, von dem etwa 90 kWh effektiv nutzbar sind. Die Reichweite liegt je nach Fahrweise und Temperatur im soliden Oberklasse Bereich. Für lange Strecken ist der G80 damit gut geeignet, auch wenn er keine Rekorde bricht. Bei winterlichen Minustemperaturen, kommt man auf gute 390 km. Im Sommer dürften 450 km kein Problem darstellen.
Beim Laden zeigt sich die Technik etwas schwächelnd. Trotz der Konzernverwandtschaft zu Hyundai und Kia setzt Genesis hier auf ein 400 Volt System. Die maximale Ladeleistung liegt bei bis zu 180 kW. Das ist ordentlich, aber nicht mehr Klassenprimus. Gerade im Premium Segment hätten wir uns ein 800 Volt System gewünscht, wie es andere Konzernmodelle bereits bieten.
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In der Praxis bedeutet das etwas längere Ladepausen auf der Langstrecke. Für die meisten Nutzer dürfte das dennoch verschmerzbar sein, da Ladeplanung und Ladeperformance insgesamt stabil und zuverlässig funktionieren. Die Ladeklappe hingegen ist sehr schick in der Front des riesigen nicht vorhandenen Kühlergrills versteckt. So das sie erst bei genauerer Betrachtung auffällt. Geladen wird AC übrigens mit standardmäßigen 11 kW, hier wäre aufgrund der Akkugröße eine 22 kW Option gerne gesehen.
Wieso Genesis, was machen sie anders?
Was den Genesis G80 besonders macht, ist sein Selbstverständnis. Er versucht nicht, BMW oder Mercedes zu kopieren. Stattdessen definiert er Luxus auf seine eigene, angenehm entspannte Art. Weniger sportlicher Ehrgeiz, dafür mehr Ruhe, Komfort und Materialqualität. So wie es früher Lexus bei Toyota gemacht hat.
Gerade Käufer, die genug haben von endlosen Aufpreislisten, aggressivem Marketing und technischer Überladung, finden hier eine echte Alternative. Für knapp 90.000 Euro erhält man ein nahezu voll ausgestattetes Fahrzeug, das in vielen Bereichen sogar mehr Luxus bietet als so mancher deutlich teurere Konkurrent aus Deutschland. Der neue G80 ist eine beeindruckende Luxuslimousine. Er überzeugt mit exzellentem Innenraum, hohem Fahrkomfort, umfangreicher Serienausstattung und einem eigenständigen Charakter. Schwächen zeigt er vor allem bei der Software Bedienung und der etwas konservativen Ladetechnik.
Unterm Strich ist der G80 jedoch ein starkes Statement aus Südkorea. Wer offen für neue Marken ist und echten Komfort über sportliche Ambitionen stellt, findet hier eine der spannendsten Luxuslimousinen der aktuellen Zeit. Genesis ist endgültig in der Oberklasse angekommen.












