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BYD Seal 6 DM-i Touring im Test: China-Kombi mit guter Qualität?

BYD Seal 6 Front seite
Bild: TechnikNews
(Beitragsbild: © 2026 TechnikNews)

Zwei Wochen lang hatten wir bei TechnikNews die Gelegenheit, den neuen BYD Seal 6 DM-i Touring (ja, der darf wirklich so heißen) auf Herz und Nieren zu prüfen. Das Fahrzeug markiert einen wichtigen Meilenstein für den chinesischen Hersteller: Es ist der erste Kombi der Marke, der offiziell seinen Weg nach Europa gefunden hat. Angesichts der europäischen und speziell der deutschen Vorliebe für praktische Kombis, ist dieser Schritt nur logisch. Doch wie schlägt sich der Neuling im harten Alltag? Und vor allem: Kann das Plug-in-Hybrid-Konzept gegen die starke deutsche Konkurrenz bestehen?

tl;dr: Ein Kombi wie er im Buche steht, aber mit alter Technik?

Der BYD Seal 6 DM-i ist der erste Kombi der chinesischen Marke in Europa. Der Antrieb fährt sich fast wie ein REEV, bleibt auf dem Papier aber ein klassischer Plug-in-Hybrid (PHEV). Mit rund 80 km realistischer E-Reichweite und einer sehr schwachen Ladeleistung (2,7 kW AC / 30 kW DC) zieht er im direkten Vergleich gegen seinen ärgsten Konkurrenten, den neuen VW Passat eHybrid (110 km Reichweite, 11 kW AC / 50 kW DC, bessere Assistenzsysteme), den Kürzeren. Ist der Akku leer, schlägt zudem der typische „PHEV-Fluch“ in Form eines exorbitanten Verbrauchs zu. Dank eines attraktiven Preises ist er dennoch eine Überlegung wert, allerdings nur, wenn man das Fahrzeug konsequent jeden Tag zu Hause oder auf der Arbeit aufladen kann. Und das Ladekabel ab Werk, auch aus der Folie befreit.

Videobericht:

Das Antriebskonzept: Ein PHEV, der gerne ein REEV wäre

Wer sich mit den Antriebstechnologien von BYD beschäftigt, stößt schnell auf das Kürzel „DM-i“ (Dual Mode intelligent). In der Praxis verhält sich der Seal 6 DM-i über weite Strecken einem sogenannten REEV (Range Extended Electric Vehicle) verblüffend ähnlich. Das bedeutet: Der Verbrennungsmotor dient in vielen Fahrsituationen vorrangig als Generator, der Strom für den Elektromotor produziert, anstatt die Räder direkt anzutreiben. Dennoch handelt es sich auf dem Papier und in der finalen technischen Umsetzung um einen klassischen PHEV (Plug-in-Hybrid). Auch wenn man die ganze Zeit von einem Elektromotor angetrieben wird.

Reichweite: 1300 km WLTP und der berüchtigte „PHEV-Fluch“

Kommen wir zu den harten Fakten der Elektromobilität: der Reichweite. Im Vergleich zu den neuesten Generationen deutscher PHEVs zieht der BYD leider den Kürzeren. In unserem Test pendelte sich die realistische rein elektrische Reichweite bei etwa 80 Kilometern ein. Das reicht für die meisten täglichen Pendelstrecken zwar völlig aus, setzt aber keine neuen Maßstäbe. Auch die versprochenen 1300 Kilometern im Kombi-Betrieb, lassen zwar in der Werbung aufhorchen, dennoch schafft man realistisch nur so seine 650 Kilometer im Alltag. Das ist ein normale Standard-Wert für einen Benziner in dieser Größenklasse. Der Verbrauch pendelt sich im übrigen mit Akkuladung bei 3-4 Liter auf 100 km ein, und ohne Akkuladung bei über 10 Litern. Was nicht wirklich etwas mit Sparsamkeit zu tun hat.

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Ist der Akku einmal leer, offenbart sich ein Problem, das wir liebevoll (oder eher frustriert) den typischen „PHEV-Fluch“ nennen. Sobald die Batteriekapazität zur Neige geht und der Verbrenner die Hauptarbeit leisten muss, steigt der Verbrauch des BYD Seal 6 DM-i rasant an. Die Effizienz des Systems bricht ein, und der Kraftstoffkonsum erreicht schnell Höhen, die man eigentlich vermeiden wollte. Fairerweise müssen wir betonen: Dieses Phänomen ist kein exklusives BYD-Problem. Auch die Konkurrenz leidet stark darunter, wenn das schwere Akkupaket als nutzloser Ballast mitgeschleppt wird.

Ladeleistung: Die große Schwachstelle im Alltag

Wenn die Reichweite eher durchschnittlich ist, sollte das Auto zumindest schnell wieder aufgeladen sein, oder? Hier offenbart der BYD Seal 6 DM-i leider seine größte Schwäche. Die Ladeleistung ist für europäische Verhältnisse bei Plug-in-Hybriden schlichtweg nicht mehr zeitgemäß.

An einer typischen 11 kW Wallbox in Deutschland lädt der Kombi bedingt durch das einphasige Laden mit gerade einmal 2,7 kW. Das ist zermürbend langsam. Wer das Auto über Nacht ansteckt, wird morgens zwar einen vollen Akku haben, aber mal eben beim Einkaufen ein paar wertvolle Kilometer nachladen? Fehlanzeige.

Auch am DC-Schnelllader liefert der BYD keine Glanzleistung ab. Die maximale Ladeleistung liegt hier bei mageren 30 kW. Das resultiert in einer Ladezeit von rund 45 Minuten für eine vollständige Ladung. Zeitsparend ist das auf Langstrecken oder im hektischen Alltag definitiv nicht.

Der direkte Konkurrent: VW Passat eHybrid

Um die Leistung des BYD richtig einordnen zu können, müssen wir seinen ärgsten Konkurrenten in den Ring holen: den brandneuen VW Passat eHybrid. Volkswagen hat bei der neuesten Generation seiner PHEVs massiv nachgebessert, und das spürt man an jeder Ecke.

Der Passat schlägt den BYD in mehreren entscheidenden Kategorien deutlich:

  • Ladeleistung: VW bietet mittlerweile standardmäßig 11 kW AC und beachtliche 50 kW DC. Das ist ein riesiges Upgrade im Vergleich zum BYD und macht das Laden im Alltag extrem viel flexibler und nutzbarer. Ein kurzer Stopp am Schnelllader bringt beim Passat tatsächlich einen spürbaren Reichweitengewinn.

  • Reichweite: Der VW Passat eHybrid liefert realistische 110 Kilometer elektrische Reichweite, bevor der Verbrenner einspringen muss (und auch beim Passat der Verbrauch dann ins Exorbitante steigt). Diese 30 Kilometer mehr können für viele Pendler den Unterschied ausmachen.

  • Assistenzsysteme: Hier merkt man die jahrelange Erfahrung der Wolfsburger. Der Travel Assist von VW arbeitet prädiktiver, sanfter und verlässlicher als das System von BYD. Die Lenkeingriffe beim Seal 6 DM-i wirken oft noch etwas nervös, und die Verkehrszeichenerkennung leistete sich in unserem Test einige Schnitzer.

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Innenraum: Viel Platz für die ganze Familie

Trotz der Kritik bei den Ladewerten muss man dem BYD Seal 6 DM-i zugutehalten, dass er ein hervorragendes Reiseauto ist. Das Fahrwerk ist auf Komfort getrimmt und schluckt Bodenwellen souverän. Der Innenraum ist hochwertig verarbeitet, die Materialien fassen sich gut an, und das Infotainment-Display von BYD reagiert blitzschnell, auch wenn die Menüstruktur teils etwas verschachtelt ist. Apple CarPlay und Android Auto arbeiten kabellos ohne großartige Probleme. Das drehbare Display welches wir aus anderen BYD Modellen kannten, ist hier nun Geschichte. Vermutlich wurde es doch eher als „Show-Effekt“ genutzt als wirklich für etwas praktisches.

Als Kombi bietet er zudem genau den Platz, den Familien in Europa suchen. Der Kofferraum ist geräumig, die Ladekante niedrig und die Beinfreiheit im Fond großzügig. In dieser Disziplin ist er absolut konkurrenzfähig. Dazu kommt er ist über die Hälfte günstiger als ein vergleichbarer Passat eHybrid. Natürlich bietet der Passat, die bessere Software, das schnellere Ladesystem. Aber ist dies wirklich fast den doppelten Preis wert? Das liegt dann wohl in der persönlichen Einschätzung des Käufers.

Fazit: Für wen lohnt sich der BYD Seal 6 DM-i?

Die zentrale Frage, die wir ich mir während der zwei Wochen gestellt haben, lautet: Ist der BYD Seal 6 DM-i wegen seines attraktiven Preises trotz der Lademängel eine gute Option, um die täglichen Strecken meistens elektrisch zu fahren?

Die Antwort lautet: Ja, aber unter einer zwingenden Bedingung. Die Preispolitik von BYD ist aggressiv, und das Auto bietet viel Komfort und Ausstattung für sein Geld. Wer die finanzielle Ersparnis beim Kauf gegenüber einem VW Passat eHybrid schätzt, kann mit dem BYD glücklich werden, wenn das eigene Nutzungsprofil perfekt passt.

Das bedeutet im Klartext: Wer sparsam fahren will und die Vorteile eines PHEV wirklich erleben möchte, der sollte (und muss!) ausnahmslos jeden Tag zu Hause oder am Arbeitsplatz aufladen können. Nur wer mit einem vollen Akku in den Tag startet, die 80 Kilometer elektrische Reichweite für seine Pendelstrecke nicht überschreitet und das Auto abends wieder gemütlich (und langsam) vollladen kann, wird mit diesem Konzept Freude haben.

Wer hingegen in einer Mietwohnung ohne eigene Wallbox lebt, auf öffentliche Ladesäulen angewiesen ist oder regelmäßig weite Strecken fährt, für den wird sich dieser (und eigentlich jeder) PHEV absolut nicht lohnen. Ohne konsequentes Laden frisst der „PHEV-Fluch“ auf der Langstrecke alle finanziellen Vorteile wieder auf. Wer bereit ist, mehr Geld in die Hand zu nehmen, findet beim VW Passat eHybrid das deutlich rundere und alltagstauglichere Technik-Paket. Wer jedoch diszipliniert zu Hause lädt, bekommt mit dem BYD einen geräumigen, komfortablen und preiswerten Einstieg in die elektrische Kombi-Welt.

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Dominik Lux

Dominik ist 23 Jahre alt und sehr interessiert an neuer Hardware bei Smartphones, sowie im VR- und AR-Bereich. Er schreibt gerne Artikel über diese Themen. Er hat einen Fable für Smartphones und Gadgets, als auch für die Elektromobilität. Somit schreibt er momentan fleißig im Mobilitätsressort hier auf TechnikNews.

Dominik hat bereits 170 Artikel geschrieben und 9 Kommentare verfasst.

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