Ugreen DXP4800 Plus im Test: Schickes 4-Bay-NAS als unkomplizierte Cloud-Alternative

Mit der NASync-Serie möchte der Zubehörspezialist Ugreen den Markt für Netzwerkspeicher kräftig aufmischen. Das DXP4800 Plus schickt sich dabei an, mit einem starken Intel Pentium Gold und schnellem 10-Gigabit-LAN die etablierte Konkurrenz unter Druck zu setzen. Wir haben das 4-Bay-NAS im Alltag getestet.
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- 1 Design und Hardware: Hochwertiges Aluminium trifft auf Anschlussvielfalt
- 2 UGOS Pro vs. Unraid: Der Komfort-Sieger im Alltag
- 3 Medienkonsum über das DXP4800 Plus: Jellyfin mit QuickSync-Power
- 4 Foto-Backup per App: Lokale KI-Erkennung statt Cloud-Zwang
- 5 Lautstärke und Energiebedarf: Was man in der Praxis beachten muss
- 6 Technische Spezifikationen im Überblick
- 7 Fazit und Alltags-Kalkulation: Die echte Gesamtrechnung
Design und Hardware: Hochwertiges Aluminium trifft auf Anschlussvielfalt
Ugreen bricht direkt mit dem ungeschriebenen Gesetz, dass Netzwerkspeicher für Heimanwender in billigen Kunststoffgehäusen stecken müssen. Das DXP4800 Plus kommt in einem massiven, mattgrauen Aluminiumgehäuse daher, das hervorragend verarbeitet ist und gleichzeitig die passive Wärmeableitung unterstützt. An der Vorderseite befinden sich vier Festplatteneinschübe, in die sich 3,5-Zoll-Laufwerke dank eines cleveren Federmechanismus komplett werkzeug- und schraubenlos einsetzen lassen. Wer 2,5-Zoll-SSDs verbauen möchte, muss allerdings zum Schraubendreher greifen. Zum Schutz vor unbefugtem Zugriff lassen sich die Träger physisch verriegeln.
- Das Ugreen 4800 Plus hat auf der Vorderseite mehrere Anschlüssen. (Bild: TechnikNews)
- Das Ugreen NASync DXP4800 Plus setzt auf ein edles Aluminiumgehäuse mit abnehmbarem, magnetischem Staubschutzfilter auf der Rückseite. (Bild: TechnikNews)
Ein durchdachtes Detail auf der Rückseite ist das magnetische Staubgitter vor dem großen 140-mm-Lüfter, das sich zur Reinigung im Handumdrehen abnehmen lässt. Auch bei den Anschlüssen lässt Ugreen die Muskeln spielen: Neben einem Standard-Port mit 2,5 Gbit/s steht ein extrem schneller 10-Gigabit-LAN-Port bereit. Komplettiert wird das Paket durch einen SD-Kartenleser an der Front, diverse USB-Anschlüsse und einen HDMI-Anschluss, der eine direkte Bildausgabe in 4K bei 60 Hz ermöglicht.
Unter der Haube verrichtet ein Intel Pentium Gold 8505 mit fünf Kernen und sechs Threads seinen Dienst. Ab Werk sind 8 GB schneller DDR5-Arbeitsspeicher verbaut, der sich über eine Klappe an der Unterseite auf bis zu 64 GB aufrüsten lässt. Dort befinden sich auch zwei M.2-NVMe-SSDs-Slots, die als Cache oder eigenständiger, schneller Speicherpool dienen können.
UGOS Pro vs. Unraid: Der Komfort-Sieger im Alltag
Als Betriebssystem kommt Ugreens eigenes Linux-Derivat „UGOS Pro“ zum Einsatz. Wer bereits Erfahrungen mit Systemen wie Unraid gesammelt hat, weiß: Unraid bietet zwar maximale Freiheit und vollen Admin-Zugriff, ist jedoch alles andere als einstiegsfreundlich. Man muss sich mühsam einarbeiten, Boot-Sticks erstellen und oft Foren oder KI-Assistenten bemühen, um überhaupt ans Ziel zu kommen.
- UGOS ist sehr übersichtlich und einfach zu nutzen. (Bild: TechnikNews)
- UnraidOS wiederum sieht deutlich uneleganter aus. (Bild: TechnikNews
UGOS Pro geht hier den entgegengesetzten Weg: Anstecken, Einschalten und Loslegen. Die Ersteinrichtung über den Webbrowser dauert keine zehn Minuten. Die Benutzeroberfläche präsentiert sich als moderner Desktop, auf dem Apps in separaten Fenstern geöffnet werden. Festplatten-Pools – bei unserer Bestückung mit zwei Festplatten standardmäßig als sicheres RAID 1 (Spiegelung) oder für maximalen Speicherplatz als JBOD/RAID 0 – und Speicherformate wie Btrfs lassen sich mit wenigen Klicks einrichten. Btrfs bringt dabei den großen Vorteil unkomplizierter Snapshots mit sich. Wer später expandiert, kann das Array problemlos um weitere Platten ergänzen.
Medienkonsum über das DXP4800 Plus: Jellyfin mit QuickSync-Power
Im alltagsnahen Einsatz zeigt sich die wahre Stärke der Intel-Plattform. Der verbaute Pentium Gold 8505 verfügt über eine integrierte Grafikeinheit, die Intels QuickSync-Technologie unterstützt. Über das integrierte App-Center lässt sich die Docker-Umgebung mit einem Klick aktivieren. Damit steht der Installation des beliebten Medienservers Jellyfin nichts im Weg.
- Jellyfin läuft super flüssig auf den DXP 4800 Plus. (Bild: TechnikNews)
Ein wichtiger Hinweis zum Medienkonsum: Wir distanzieren uns an dieser Stelle ausdrücklich von illegalen Downloads oder Raubkopien. Ein Medienserver wie Jellyfin eignet sich ideal dafür, die eigene, vollkommen legal erworbene und digitalisierte Mediensammlung – wie Urlaubsaufnahmen, private Videos oder legal erstellte Sicherheitskopien der eigenen Film- und Musikdisks für den privaten Gebrauch – komfortabel und sicher im Heimnetzwerk bereitzustellen.
In der Praxis funktioniert das Streaming absolut reibungslos. Müssen hochauflösende 4K-Urlaubsvideos in anspruchsvollen Formaten wie H.265 auf Endgeräten abgespielt werden, die dieses Format nicht nativ unterstützen, übernimmt das NAS das hardwarebeschleunigte Transkodieren (Transcoding) in Echtzeit. Selbst bei mehreren parallelen Streams bleibt die CPU-Last minimal, da die Grafikeinheit die Arbeit übernimmt. Auch anspruchsvolle Aufgaben wie die Bereitstellung eines Minecraft-Servers für Freunde oder das automatische Sichern von Smartphone-Fotos laufen über Docker-Container flüssig im Hintergrund.
Foto-Backup per App: Lokale KI-Erkennung statt Cloud-Zwang
Wer seine privaten Aufnahmen nicht länger großen US-Cloud-Anbietern anvertrauen möchte, findet im DXP4800 Plus eine datenschutzfreundliche Alternative. Über die offizielle Ugreen-App für iOS und Android lässt sich eine automatische Synchronisation einrichten. Einmal konfiguriert, spiegelt das Smartphone neu aufgenommene Fotos und Videos im Hintergrund direkt auf das NAS.
- Die Fotos-App in UGOS hat eine eigene KI eingebaut, die deaktiviert werden kann. (Bild: TechnikNews)
Als Zentrale dient auf dem Netzwerkspeicher die Anwendung „UGREEN Fotos“. Das Besondere im Vergleich zu Google Fotos oder Apples iCloud: Ugreen setzt zwar ebenfalls auf moderne KI-Funktionen (Künstliche Intelligenz), die Berechnungen finden jedoch vollkommen lokal auf dem Intel-Prozessor des NAS statt. Es werden keine Bilddaten auf externe Server übertragen. Die lokale KI analysiert die hochgeladenen Bilder im Hintergrund und bietet folgende Features:
Personen- und Gesichtserkennung: Fotos werden automatisch nach erkannten Gesichtern sortiert und in Personen-Alben gruppiert.
Objekt- und Szenenerkennung: Das System erkennt Motive wie Landschaften, Essen, Fahrzeuge oder Haustiere und sortiert sie selbstständig.
Texterkennung (OCR): Auf Bildern abgebildeter Text (beispielsweise auf Dokumenten oder Schildern) wird analysiert und lässt sich über die Suchfunktion des NAS aufspüren.
Duplikaterkennung: Die App identifiziert doppelte oder extrem ähnliche Schnappschüsse, um Speicherplatz freizugeben.
In der Praxis arbeitet das automatische Backup über die mobile App sehr zuverlässig. Dank der Intel-CPU läuft auch die lokale Indexierung und Gesichtserkennung angenehm flott ab. Perfekt ist das System allerdings noch nicht: Gelegentlich stößt die KI bei sehr ähnlich aussehenden Familienmitgliedern (wie Geschwistern) an ihre Grenzen und die Freigabeoptionen für dynamisch erstellte Personen-Alben könnten noch etwas flexibler sein. Dennoch bietet Ugreen hiermit eine enorm komfortable und sichere Lösung für alle, die eine einfache Fotoverwaltung ohne Cloud-Zwang suchen.
Lautstärke und Energiebedarf: Was man in der Praxis beachten muss
Wer plant, das NAS in einer Einzimmerwohnung direkt neben dem Bett oder auf dem Schreibtisch zu betreiben, muss sich auf eine gewisse Geräuschkulisse einstellen. Während reine SSD-Systeme flüsterleise arbeiten, hört man beim DXP4800 Plus im Betrieb mit klassischen 3,5-Zoll-Festplatten das typische Zugriffsrattern. Der 140-mm-Lüfter arbeitet im normalen Modus zwar angenehm leise, ist in einer absolut stillen Umgebung aber dennoch hörbar. Für geräuschempfindliche Nutzer empfiehlt sich daher die Aufstellung im Flur, Arbeitszimmer oder direkt am Router im Wohnzimmer.
Auch beim Stromverbrauch fordert die starke Hardware ihren Tribut, wenngleich sich dieser mit unserer Bestückung im Rahmen hält. Im Vergleich zu schwächeren ARM-Prozessoren oder reinen SSD-Kleinstsystemen benötigt der Pentium Gold 8505 spürbar mehr Energie. Im Leerlauf mit unseren zwei rotierenden 4-TB-Festplatten liegt die Leistungsaufnahme bei rund 25 bis 27 Watt. Unter Last, etwa beim Kopiervorgang und gleichzeitigem Transkodieren, steigt der Verbrauch auf etwa 45 bis 50 Watt an. Im Standby (mit schlafenden Festplatten) zieht das System noch knapp über 20 Watt aus der Steckdose – das sollte man bei den jährlichen Betriebskosten einkalkulieren.
Technische Spezifikationen im Überblick
Prozessor: Intel Pentium Gold 8505 (5 Kerne, 6 Threads, bis zu 4,4 GHz)
Arbeitsspeicher: 8 GB DDR5 SO-DIMM (erweiterbar auf bis zu 64 GB)
Laufwerksschächte: 4x 3,5-Zoll/2,5-Zoll SATA (werkzeuglos für 3,5 Zoll, im Test bestückt mit 2x 4 TB HDDs im RAID 1, effektiv ca. 3,6 TB nutzbarer Speicher)
M.2-Slots: 2x M.2 NVMe PCIe 4.0 (an der Unterseite für Cache oder Speicherpool)
Netzwerk: 1x 10-Gbit-Ethernet, 1x 2,5-Gbit-Ethernet
Anschlüsse: HDMI 2.0 (4K@60Hz), SD-Kartenleser, USB-C (10 Gbit/s), USB-A 3.2, USB 2.0
Kühlung: 1x 140-mm-Lüfter mit magnetischem Staubschutzfilter
Netzteil: Externes 150-Watt-Netzteil
Das Ugreen NASync DXP4800 Plus ist ein hervorragend verarbeitetes und extrem schnelles NAS. Für eine UVP von 729 Euro (auf Plattformen wie Amazon im Angebot oft deutlich unter 600 zu haben) bietet es eine Hardware-Ausstattung, die bei der etablierten Konkurrenz oft das Doppelte kostet.
Käufer müssen jedoch die Gesamtkosten im Blick behalten. Da das NAS standardmäßig ohne Festplatten ausgeliefert wird („Diskless“), ist der Gerätepreis nur die halbe Wahrheit. In unserem Fall mit zwei 4-TB-Festplatten (die zusammen mit rund 200 Euro zu Buche schlagen) landet man bei einer realistischen Gesamtinvestition von rund 900 Euro.
Wer jedoch ein zukunftssicheres, enorm leistungsstarkes System sucht, das sich im Gegensatz zu Unraid kinderleicht einrichten lässt und perfekt für den unkomplizierten Medienkonsum geeignet ist, bekommt mit dem DXP4800 Plus ein erstklassiges Paket an die Hand.





