Lynk & Co 08 (2026) im Test: Hybrid mit 200 Kilometern E-Reichweite

Fast 40 Kilowattstunden Akku, 200 Kilometer elektrische Reichweite und eine Schnellladefunktion, die bei Teilzeitstromern eher selten ist: Der große Lynk & Co 08 aus dem Hause Geely und Volvo tritt gegen den GWM Wey 05, den BYD Seal U DM-i und den etablierten Volvo XC60 an. Ich bin ihn über Land, auf der Autobahn und in der Stadt gefahren. Hier ist mein Testbericht:
Seine Geschichte beginnt im September 2023 in China – und zwar mit Wucht. Binnen 35 Tagen rollen die ersten 10.000 Exemplare des SUVs (Sport Utility Vehicle) zu den Kunden. Das Modell wird über Nacht zum Aushängeschild der 2016 von Geely und Volvo gegründeten Marke Lynk & Co. Technisch basiert der Wagen auf der Plattform CMA Evo und teilt sein Grundgerüst mit Volvo. In der Heimat leistet er sogar bis zu 593 PS, fährt mit Allrad und erreicht eine Gesamtreichweite von über 1.400 Kilometern.
Für Europa schneidert Lynk & Co das Konzept neu zu. Anstelle maximaler Leistung rückt die Ausführung des Modelljahres 2026 die Reichweite in den Vordergrund: Frontantrieb, 345 PS, ein großer Akku und eine rein elektrische Reichweite von 200 Kilometern nach WLTP (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure). Der 08 ist damit das wichtigste Produkt der Marke und greift zugleich Volvo, BYD und GWM an.
Fazit (tl;dr) zum Lynk & Co 08: Ein Weckruf an die Etablierten
Der Lynk & Co 08 definiert neu, was ein Teilzeitstromer sein kann. Mit 200 Kilometern elektrischer Reichweite und der Fähigkeit zum Gleichstromladen löst er den alten Hybridkompromiss auf. Wer regelmäßig lädt, fährt faktisch ein Elektroauto, das ihn nie im Stich lässt und auf der Langstrecke einfach weiterrollt. Hinzu kommen ein großzügiges Raumangebot, hoher Komfort, viel Serienausstattung und ein Preis, der einen Volvo XC60 alt aussehen lässt. Als rationaler Reisewagen mit der Möglichkeit, rein elektrisch zu fahren, ergibt kaum ein Rivale so viel Sinn.
Ein Fahrerauto ist er trotzdem nicht. Der Frontantrieb, die gefühlsarme Lenkung und die weiche Abstimmung machen aus ihm einen Gleiter, keinen Sportler. Zudem muss die junge Marke erst noch Restwert und das Serviceversprechen beweisen. Doch wer ein pragmatisches, elektrisch orientiertes SUV für Familie und lange Strecken sucht, erhält mit diesem Modell eines der ausgereiftesten PHEV-Angebote auf dem Markt.
Stärken und Schwächen des Lynk & Co 08
✅ Stärken:
- Klassenbeste elektrische Reichweite von 200 Kilometern nach WLTP, real rund 180
- Gleichstrom Schnellladen mit bis zu 85 kW
- Souveräner, sehr laufruhiger Hybridantrieb mit 345 PS
- Großzügiges Platzangebot und hoher Langstreckenkomfort
- Üppige Serienausstattung und starkes Soundsystem von Harman/Kardon
- Attraktiver Preis
❌ Schwächen:
- Nur Frontantrieb, kein Allrad
- Viele Funktionen ausschließlich über den Touchscreen
- Vereinzelte Softwarebugs
- Nur 185 km/h Höchstgeschwindigkeit
Vor mir steht ein SUV, das seine Herkunft nicht verleugnet und trotzdem eigenständig wirkt. Mit einer Länge von 4,82 Metern, einer Breite von 1,92 Metern und einem Radstand von 2,85 Metern ergibt sich eine stattliche, aber nicht protzige Erscheinung. Die Flächen sind ruhig gezeichnet, das durchgehende Leuchtenband verleiht dem Gesicht Charakter und die rahmenlosen Türen sowie die versenkten Griffe wirken hochwertig. Neben einem Wey 05, der mit 4,87 Metern länger ist, gibt sich der Lynk & Co 08 zurückhaltender, beinahe europäisch elegant.
Im Detail zeigt sich, wo das Geld steckt. Die von uns getestete More-Variante fährt mit adaptiven Matrixscheinwerfern vor, die mit LED-Technik blendfrei ausleuchten und bei denen die Blinker sequenziell wischen. Hinzu kommen abgedunkelte Scheiben, ein großes Panoramadach und eine elektrische Heckklappe. Es stehen fünf Metallictöne und ein schwarzes Kontrastdach zur Wahl. Auf der Straße wirkt der 08 teurer, als er ist, und fährt dank des unbekannten Logos angenehm unauffällig. Das Heck wirkt etwas anonym, doch Spaltmaße und Lackqualität überzeugen.
Platzangebot: Langstreckenlounge für fünf
Wer einsteigt, spürt sofort den langen Radstand. Vorn wie hinten sitzt man sehr geräumig. Im Fond bleiben 96,3 Zentimeter Beinfreiheit und knapp 98 Zentimeter Kopffreiheit. Selbst zwei hochgewachsene Erwachsene reisen hintereinander bequem. Und auch zu dritt bleibt auf der Rückbank ausreichend Platz. Die Rückbank lässt sich in der Neigung verstellen und die More-Variante klimatisiert in drei Zonen. Damit spielt der 08 im Klassenoberhaus mit und bietet mehr Raumgefühl als der kürzere Volvo XC60, dessen Fond enger geschnitten ist.
Darüber hinaus sind die Sitze eine echte Wucht. Vorn verstellen sie sich elektrisch in acht Richtungen, merken sich die Positionen und sind in der Topausstattung beheiz- und kühlbar sowie mit einer Massagefunktion ausgestattet, die angenehm kräftig zupackt und nicht nur sanft streichelt. Die hintere Sitzbank wärmt auf den Außensitzen, es gibt ISOFIX, eine Armlehne, Becherhalter und eigene Luftauslässe. Einziger kleiner Kritikpunkt: Der große Akku hebt den Fahrzeugboden im Fond leicht an, weshalb sehr große Passagiere die Oberschenkelauflage etwas flach finden könnten. Ansonsten gehört der Lynk & Co zu den raumökonomisch besten seines Segments.
Kofferraum: Variabel, aber kein Rekordhalter
Hinten öffnet sich ein Gepäckraum mit einem Volumen von 540 Litern, gemessen bis zur Dachkante nach VDA-Norm. Klappt man die im Verhältnis 60:40 geteilte Rückbank um, wächst das Volumen auf 1.254 Liter und die Ladelänge auf bis zu 1,79 Meter. Das ist ein solider Wert, aber kein Bestwert: Ein BYD Seal U fasst ähnlich viel, der Volvo XC60 liegt bei rund 468 Litern. Für den Wocheneinkauf samt Kinderwagen reicht der Kofferraum des Lynk & Co 08 aber locker aus.
Praktisch sind die Detaillösungen. Die Ladekante liegt niedrig, die Öffnung ist breit, ein doppelter Boden schafft Ordnung und es gibt eine 12-Volt-Steckdose sowie eine Abdeckung. Der 08 zieht gebremst bis zu 1.600 Kilogramm, was für einen Fronttriebler ein ordentlicher Wert ist. Einen Stauraum unter der Fronthaube (Frunk) gibt es nicht, ebenso wenig ein Reserverad. Stattdessen liegt ein Reparaturset bereit. Unterm Strich ist das Abteil variabel und familientauglich, mit 540 Litern ist der nackte Wert aber nur Durchschnitt.
Innenraum des Lynk & Co 08: Digitaler Salon mit Wohlfühlfaktor
Innen empfängt einen ein aufgeräumter, moderner Raum. Ein freistehender 15,4-Zoll-Touchscreen dominiert das Armaturenbrett, dahinter informiert ein 10,2-Zoll-Fahrerdisplay. Ein HUD gibt es nicht. Ein angenehm helles Ambientelicht, Kunstleder und Mikrofaser in zwei Farbwelten schaffen eine wertige Stimmung, während das Panoramadach die Kabine mit Licht flutet. Physische Tasten sind rar, fast alles läuft über den Bildschirm. Optisch wirkt das stimmiger als bei einem BYD Seal U und nähert sich einem Volvo, auch wenn der Schwede bei der Anfassqualität vorne liegt.
Im Alltag zeigt der Minimalismus jedoch auch seine Schattenseiten. Klimatisierung, Spiegelverstellung und viele Grundfunktionen sind in Menüs versteckt. Das kostet anfangs Nerven und lenkt während der Fahrt ab. Auch die praktische Auto-Hold-Funktion, die den Wagen an der Ampel gebremst hält, lässt sich nur über das Schnellmenü statt per fester Taste aktivieren. Dafür entschädigen eine induktive Ladeschale, zahlreiche Ablagemöglichkeiten, ein elektrisch verriegelndes Handschuhfach und eine Innenraumkamera. Das Lenkrad heizt. Im Testbetrieb fehlen mir echte Regler zum Drehen und Drücken für Lautstärke und Temperatur. Ist die Eingewöhnungszeit überstanden, wird das Cockpit aber zu einem angenehmen Ort für lange Etappen.
Infotainment & Konnektivität: Ein System mit Ecken und Kanten
Das Bediensystem heißt Flyme Auto und stammt aus der Smartphone-Welt des Geely-Ablegers Meizu. Der Bildschirm reagiert flott, die Grafik ist scharf und Animationen lockern die Menüs auf. An Bord sind ein 5G-Mobilfunkmodul, ein WLAN-Hotspot, kabelloses Apple CarPlay, Android Auto, eine Navigation und ein Sprachassistent. In der kopfstütze des Fahrers sind zusätzlich Lautsprecher verbaut die man zum Beispiel für ein privateres Telefonieren nutzen kann. Updates werden aus der Ferne auf das Auto gespielt. In puncto Reaktionsschnelligkeit wirkt das System frischer als das ältere Google-Menü im Volvo und aufgeräumter als die drehbare Lösung im BYD.
Perfekt ist es jedoch nicht. Die Menülogik ist mitunter wenig intuitiv, zum Marktstart holpern manche Übersetzungen und wichtige Funktionen liegen zu tief. Hin und wieder baut das System die Verbindung zu Android Auto nicht sofort auf und benötigt einen zweiten Anlauf. Dafür lädt die vordere Anschlussleiste per USB-C mit bis zu 60 Watt. Das Smartphone kann als digitaler Schlüssel verwendet werden und eine Gesichtserkennung entsperrt Profile. Der Sprachassistent versteht mal glänzend, mal gar nicht. Wer sich einarbeitet, erhält ein modernes, schnelles System, das mit jedem Update besser wird. Das größte Ärgernis bleibt die Klimabedienung im Touchscreen.
Soundsystem: Harman/Kardon als Trumpf
Ein weiteres Highlight ist die Anlage von Harman/Kardon mit 23 Lautsprechern samt Subwoofer, die sich in der Ausstattung More versteckt. In dieser Preisklasse ist das eine Ansage. Der Klang füllt den Raum, trennt die Instrumente sauber voneinander und liefert einen satten, kontrollierten Bass. Die Basisausstattung Core muss mit acht Lautsprechern auskommen, die ordentlich, aber unspektakulär spielen. Zum Vergleich: Bei einem Volvo kostet die vergleichbar edle Anlage von Bowers & Wilkins mehrere Tausend Euro Aufpreis – hier ist sie Teil des Pakets.
Auf meinen Testfahrten wird die Anlage zum netten Begleiter. Bei höherer Lautstärke entsteht ein fast konzertreifes Klangbild, leise bleibt sie fein aufgelöst und auf Wunsch pulsiert das Ambientelicht zur Musik. Für den Aufpreis zur More-Ausstattung ist der Sound allein schon ein guter Grund. Wer es neutral mag, dem ist die Abstimmung eine Spur zu basslastig, doch die meisten dürften genau das mögen. Insgesamt gehört das Klangerlebnis zu den echten Stärken des Autos.
Assistenzsysteme des Lynk & Co 08: Üppig bestückt, gelegentlich übereifrig
An Helfern spart Lynk & Co nicht. Je nach Ausstattung sind ein adaptiver Abstandstempomat (ACC), ein Autobahnassistent, ein Spurhalteassistent, ein Spurwechselhelfer, ein Totwinkelwarner, ein Querverkehrswarner, eine Rundumsichtkamera, eine Müdigkeitserkennung, ein vorausschauender Notbremsassistent und ein Stauassistent an Bord. Damit spielt der 08 bei den Premiummarken mit. Auf der Autobahn hält der Assistent das Fahrzeug sicher in der Spur, der Tempomat regelt sanft und das Kamerabild löst fein auf.
Wie bei vielen jungen Systemen sind manche Eingriffe zu eifrig. Dazu leistet sich die Software kleine Aussetzer. Mal blendet die Kamera beim Blinken das Seitenbild nicht ein und mal fehlt sogar der akustische Blinkerton ganz. Beim Abbiegen hätte ich mir anstelle der Vogelperspektive eine echte Kamera für den toten Winkel gewünscht, die im Alltag mehr hilft. Der Spurhalter zerrt spürbar am Lenkrad, die Tempowarnung ertönt bei jeder Kleinigkeit und die von der EU vorgeschriebene Müdigkeitserkennung mahnt gerne grundlos. Vieles davon lässt sich zwar abschalten, meldet sich nach jedem Neustart aber zurück. BYD und GWM kämpfen mit denselben Kinderkrankheiten; ein Volvo wirkt in dieser Hinsicht abgeklärter. Wer die Systeme einmal nach seinem Geschmack einstellt, erhält ein umfassendes und meist kompetentes Sicherheitsnetz.
Sicherheit: Kann er mit Volvo mithalten?
Bei den Sicherheitsfeatures fährt der 08 mit einem umfangreichen Paket vor. Es gibt mehrere Airbags, darunter einen zwischen den Vordersitzen, sowie ein elektronisches Stabilitätsprogramm (ESC, Electronic Stability Control), einen Bremsassistenten, eine Berganfahrhilfe, eine Anhängerstabilisierung, eine Reifendruckkontrolle und einen Fahrtenschreiber für den Ernstfall. Sogar eine Erkennung, ob nach dem Aussteigen noch Personen im Fond zurückbleiben, ist an Bord. Da die Plattform von Volvo mitentwickelt wurde, darf man strukturell einiges erwarten.
Der Lynk & Co 08 erreichte im September 2025 die Höchstwertung von fünf Sternen im Euro NCAP-Crashtest. Das Plug-in-Hybrid-SUV erzielte dabei in den vier Hauptkategorien Adult Occupant (90 %), Child Occupant (87 %), Vulnerable Road Users (78 %) und Safety Assist (81 %) starke Ergebnisse. Subjektiv trägt das satte, stabile Fahrverhalten bei hohem Tempo zum Sicherheitsgefühl bei – der Wagen steht wie ein Brett auf der Autobahn.
Komfort: Die Paradedisziplin des 08
Hier ist der 08er in seinem Element. Vorn kommt eine Doppelquerlenkerachse zum Einsatz, hinten eine Mehrlenkerachse. Die Abstimmung ist klar auf Komfort ausgelegt. Der Wagen bügelt Unebenheiten glatt, bleibt auf der Autobahn ruhig und ist dank Akustikglas erstaunlich leise. Da der Antrieb meist elektrisch läuft, herrscht im Innenraum oft die Stille eines Elektroautos. Die 21-Zoll-Räder der More-Version straffen den Federungskomfort etwas; auf den 19-Zöllern der Core-Version rollt er noch geschmeidiger.
Auf langer Strecke spielt er seine Trümpfe aus. Das Geräuschniveau ist niedrig, die Dämpfung geschmeidig, die Sitze stützen auch nach Stunden und der Benziner drängt sich akustisch kaum auf. Nur die Klimaanlage braucht an heißen Tagen etwas zu lange, um die eingestellte Temperatur zu erreichen. Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass die großen Räder über scharfe Querfugen hörbar poltern und die weiche Abstimmung in schnell gefahrenen Kurven etwas nachschwingt. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau. Für Familien und Vielfahrer ist der Komfort die überzeugendste Eigenschaft dieses Autos.
Antrieb des Lynk & Co 08: Souverän statt brachial
Unter der Haube verbirgt sich eine clevere Kombination. Ein 1,5-Liter-Turbobenziner mit vier Zylindern (102 Kilowatt/137 PS) trifft auf einen kraftvollen Elektromotor (155 Kilowatt/208 PS). Zusammen stehen 257 Kilowatt bzw. 345 PS bereit. Die Kraft wird über ein Dreiganggetriebe für Hybride (DHT, Dedicated Hybrid Transmission) an die Vorderräder übertragen. Meist zieht der Elektromotor, während der Benziner sich bei höherem Tempo direkt zuschaltet. Aus dem Stand beschleunigt das Fahrzeug in 6,8 Sekunden auf 100 km/h, bei 185 km/h ist leider Schluss.
Das Antriebskonzept fühlt sich auf der Straße an wie ein Elektroauto. Der 08er legt geschmeidig los, ohne aufheulenden Motor. Die Übergänge zwischen Strom und Benzin verlaufen fast unmerklich. Ein brachialer Sprinter wie der 476 PS starke Wey 05 mit Allradantrieb ist er nicht, aber er ist allemal flott genug. Sein Manko ist der reine Frontantrieb: Bei voller Leistung auf nasser Fahrbahn zerrt es in der Lenkung; ein Volvo XC60 oder ein Wey 05 verteilen ihre Kraft durch ihren Allradantrieb souveräner. Ansonsten überzeugt der Antrieb mit seiner Laufruhe.
Fahrdynamik und Handling: Komfort vor Kurvenperformance
Wer sportliche Ambitionen hegt, ist mit dem 08er an der falschen Adresse. Die leichtgängige Lenkung meldet nur wenig von der Fahrbahn zurück. Im Sportmodus wird sie straffer, bleibt aber gefühlsarm. Das Leergewicht von 2,1 Tonnen ist in schnellen Kurven spürbar, die Karosserie neigt sich merklich und der Wendekreis von zwölf Metern ist angemessen. Der 08 ist bewusst kein Kurvenräuber, sondern ein Gleiter. An die Präzision eines BMW X3 reicht er nicht heran und ein Volvo XC60 wirkt performanter und wendiger.
Auf kurvigen Landstraßen sollte man es mit dem Tempo nicht übertreiben. Er wankt und bevorzugt ein gelassenes Tempo. Der Grip ist ordentlich und die Bremse verzögert sauber. Unter Last kratzen die Vorderräder in engen Kehren. Nimmt man das Tempo heraus, wird der Lynk & Co zum souveränen Reisebegleiter. Fahrdynamisch bleibt er bewusst Durchschnitt. Wer echten Fahrspaß sucht, sollte sich besser woanders umschauen.
Batterie: Rekordverdächtig groß
Das Herzstück des 08 ist der große Akku. Mit 39,6 Kilowattstunden ist er für einen Teilzeitstromer riesig; die Konkurrenz begnügt sich meist mit 18 bis 27 Kilowattstunden. Dieser Speicher liegt fast auf dem Niveau eines kleinen Elektroautos und ermöglicht eine Stromreichweite von bis zu 200 Kilometern. Chemisch setzt Lynk & Co auf Zellen mit Nickel, Kobalt und Mangan, die viel Energie auf wenig Raum speichern können. BYD verbaut im Seal U dagegen die Blade-Batterie aus Lithiumeisenphosphat (LFP). Diese ist thermisch stabiler und langlebiger, hat aber eine geringere Energiedichte.
In der Praxis hält der Akku, was das Datenblatt verspricht. Unsere Messungen ermittelten eine Reichweite von rund 180 Kilometern im rein elektrischen Betrieb, was den bislang besten Wert unter allen von uns geprüften PHEVs darstellt. Bei einer von dem Hersteller unternommenen Sparfahrt schaffte der 08 sogar 293 Kilometer am Stück und stellte damit einen Weltrekord auf. Zum Vergleich: Ein BYD Seal U kommt auf bis zu 125 Kilometer, ein Wey 05 auf etwa 132 Kilometer und ein Volvo XC60 auf lediglich 78 Kilometer.
Verbrauch & Reichweite des Lynk & Co 08: Zwei Welten in einem Auto
Beim Verbrauch führt der 08 ein Doppelleben. Als reines Elektroauto genehmigt er sich rund 20,8 kWh je 100 Kilometer nach WLTP. Wer täglich lädt und pendelt, fährt praktisch ohne einen Tropfen Benzin. Der offizielle gewichtete Wert von 0,9 Litern Benzinverbrauch und 23 Gramm Kohlendioxid (CO₂) je Kilometer ist entsprechend geschönt, da er einen stets vollen Akku unterstellt. Realistischer wird es mit leerem Speicher: Dann nennt Lynk & Co 6,5 Liter und 149 Gramm je Kilometer, was auch unseren Testergebnissen entspricht. Wenn man aber lange Strecken mit vollem Akku zurücklegt, sind Benzinverbräuche unter 5 Litern pro 100 Kilometer durchaus realistisch.
Hier liegt die Wahrheit über jeden Plug-in-Hybriden. Lädt man ihn regelmäßig, ist er äußerst sparsam. Ignoriert man die Steckdose, schleppt man gut zwei Tonnen samt Akku spazieren und landet auf der Autobahn eher bei sieben Litern. Weil der Akku aber so groß ist, können deutlich mehr Fahrten rein elektrisch zurückgelegt werden als bei BYD oder Volvo mit kleinem Akku. Wie sparsam dieses Auto ist, entscheidet also allein der Fahrer.
Gesamtreichweite: Langstrecke ist kein Problem
Reichweitenangst ist mit diesem Auto kein Thema. Nach WLTP sind es 200 Kilometer, in unserem realitätsnahen Test immerhin 180 Kilometer. Abseits der Autobahn, auf Landstraßen und in der Stadt sind die vollen 200 Kilometer tatsächlich möglich. Mit dem 60-Liter-Tank kommt der 08 kombiniert insgesamt über 1.000 Kilometer weit. Erst hohes Autobahntempo drückt den Wert spürbar. Damit vereint er die Ruhe eines Elektroautos im Alltag mit der Gelassenheit eines Verbrenners auf der Langstrecke. Kein direkter Rivale kommt an diese elektrische Reichweite heran, die meisten liegen bei der Hälfte oder weniger.
Im Alltag heißt das: Eine Ladung pro Woche deckt bei vielen Pendlern sämtliche Wege rein elektrisch ab. Erst auf langen Reisen übernimmt der Benziner. Genau diese Kombination hebt den größten Kompromiss der Teilzeitstromer auf, nämlich die Wahl zwischen kurzer Stromstrecke und langer Gesamtreichweite. Eine Woche Stadtverkehr ohne einen einzigen Tank- oder Ladestopp ist im Test problemlos möglich. Diese Flexibilität ist das stärkste Kaufargument des gesamten Autos.
Laden: AC und DC Bestleistung
Der 08 lädt nicht nur mit bis zu 11 Kilowatt Wechselstrom (AC, Alternating Current) an der Wallbox, sondern auch mit bis zu 85 Kilowatt Gleichstrom (DC, Direct Current) an der Schnellladesäule. Von 10 auf 80 Prozent dauert es rund 33 Minuten, ein voller Wechselstromzyklus an der öffentlichen Säule etwa vier Stunden und 30 Minuten. Ein Teilzeitstromer, der Gleichstrom laden kann, ist eine Rarität. Weder der BYD Seal U noch der Volvo XC60 beherrschen das. Sie hängen ausschließlich am Wechselstrom.
Im Alltag verändert das die Spielregeln. Auf der Langstrecke genügt eine halbe Stunde Kaffeepause, und der Akku hat wieder genug Energie für 150 Kilometer nachgeladen. Wer zu Hause lädt, startet jeden Morgen mit vollem Speicher. Obendrein gibt der 08 per Adapter 3,3 Kilowatt Strom nach außen ab (V2L, Vehicle to Load) und versorgt so zum Beispiel einen Campingkocher oder Werkzeug. Die 85 Kilowatt sind zwar kein Spitzenwert, für einen Hybriden aber eine kleine Revolution. Dieses Merkmal hebt den Lynk & Co 08 von jedem Rivalen ab.
Preis & Garantie des Lynk & Co 08: Viel Auto fürs Geld
Lynk & Co ruft für die Basisausstattung Core 55.995 Euro und für die üppige More-Ausstattung 59.995 Euro auf. Ein BYD Seal U startet zwar schon bei 39.990 Euro, bietet dafür aber weniger Reichweite, Leistung und ein schlichteres Ambiente. Ein Wey 05 ist teurer, hat aber deutlich mehr Leistung. Ein vergleichbar motorisierter Volvo XC60 als Plug-in-Hybrid beginnt jenseits von 64.000 Euro, also mehrere Tausend Euro über dem Lynk & Co, und bietet nur einen Bruchteil der elektrischen Reichweite. (Alle Preise in diesem Artikel sind Stand Juli 2026 und inklusive 19 % Mehrwertsteuer.)
Für das Geld bekommt man viel. In der More-Version sind Panoramadach, Matrixlicht, Massagesitze und die große Klanganlage an Bord – ohne endlose Aufpreisliste. Für alle Autos gilt eine 4-Jahres-Garantie sowie eine 8-Jahres-Garantie für die HV-Batterie. Die Garantiebedingungen sind wettbewerbsfähig und Lynk & Co gibt sich langfristig. Offen bleiben jedoch zwei Fragen: Wie stabil hält eine junge Marke ihren Restwert und wie dicht ist das Servicenetz? Die betriebliche Unterstützung im Service durch Volvo dämpft diese Sorgen zumindest. Nach Ausstattung und Datenlage ist der 08 ein starkes Angebot – der unvorhersehbare Wertverlust ist der einzige echte Vorbehalt.
Vielen Dank an Lynk & Co Deutschland für die Bereitstellung des Lynk & Co 08 für diesen Testbericht.
















