Mini Cooper SE im Test: Ist der China-Mini noch ein echter Brite?

Der neue Mini Cooper SE kommt nicht mehr aus Oxford, sondern aus China. Er wird dort von Great Wall Motors (unter anderem für ORA in Deutschland bekannt) gebaut, will aber trotzdem ein echter BMW-Spross sein. Wir haben den vollelektrischen Kleinwagen bei winterlichen Temperaturen unter die Lupe genommen. Kann das sogenannte „Gokart-Feeling“ die Transformation überleben?
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tl;dr: Überzeugend trotz offensichtlicher Schwächen?
Der neue Mini Cooper SE überzeugt auch aus chinesischer Produktion mit hoher Verarbeitungsqualität und dem typischen Mini-Charme. Das neue Mini OS 9 auf dem runden OLED-Display ist ein optisches Highlight und bietet eine hervorragende Laderoutenplanung, die sich vor anderen Herstellern nicht verstecken muss. Das Fahrverhalten ist agil und spaßig, das Fahrwerk im John Cooper Works Trim jedoch sehr straff, für die Langstrecke fast zu unbequem. Dies gilt im übrigen auch für die Sportsitze, diese tun auf Langstrecke irgendwann doch weh.
Kritik gibt es für die Ladegeschwindigkeit: Maximal 100 kW DC und fehlende 22 kW AC-Option sind für ein Premium-Stadtauto im Jahr 2026 eigentlich zu wenig. Mit einem Testwagenpreis von über 41.000 Euro lässt sich Mini den Lifestyle zudem fürstlich bezahlen. Wer ein schickes, gut vernetztes Stadtauto sucht und über die kleinen Schwächen hinwegsehen kann, bekommt aber ein sehr spaßiges Gesamtpaket.
Videobericht: Ist das noch ein echter Mini?
Design & Innenraum: Klassik trifft Moderne
Optisch bleibt der neue Mini seinen Wurzeln treu. Unser Testwagen im John Cooper Works Trim und der Farbe British Racing Green sieht sportlich aus, ohne krawallig zu wirken. Die neuen Matrix-Rückleuchten (die man mögen muss) und die klassischen Stripes auf der Motorhaube runden das Bild ab.
Im Innenraum dominiert das neue, runde OLED-Display in der Mitte. Es ist gestochen scharf und wirkt mit seinen Animationen sehr flüssig (gefühlt 120 Hz). Das Armaturenbrett ist mit einem festen Stoff bezogen, das sieht schick aus, könnte aber anfällig für Schmutz sein. Unterhalb des Screens finden sich die typischen „Flugzeug-Switches“ für Gangwahl und Start/Stopp, was die Bedienung erleichtert.
- Bild: TechnikNews
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Ein Wermutstropfen: Das Head-up-Display wird nur auf eine ausfahrbare Plexiglasscheibe projiziert. In dieser Preisklasse (über 40.000 €) hätten wir eine Projektion in die Windschutzscheibe erwartet. Die JCW-Sportsitze bieten guten Seitenhalt, erwiesen sich in unserem Test auf Strecken über 200 km jedoch als etwas zu hart und unbequem.
Software & Infotainment: Ein Quantensprung
Hier hat Mini (bzw. BMW) abgeliefert. Das Mini Operating System 9 basiert auf Android, fühlt sich aber durch und durch wie ein Premium-System an.
Navigation: Die Laderoutenplanung ist exzellent. Sie berechnet Ladestopps zuverlässig, konditioniert den Akku vor und zeigt sogar die Verfügbarkeit der Säulen an.
Sprachsteuerung: Mit dem Keyword „Hey Mini“ reagiert sie flott und versteht natürliche Kommandos deutlich besser als im Vorgänger.
Spielereien: Die verschiedenen „Experience Modes“ (z.B. Gokart, Vivid, Timeless) ändern nicht nur das Design, sondern auch den Sound des Autos. Der „Gokart-Mode“ simuliert sogar ein leichtes „Auspuff-Brabbeln“ beim Verzögern, witzig, aber Geschmackssache.
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CarPlay und Android Auto sind kabellos an Bord, wobei CarPlay im Test beim Wechseln der Modi gelegentlich hakte oder neu startete. Nicht auszuschließen das dies an iOS 26 liegt, sollten wir hier mal erwähnen.
Fahrverhalten & Reichweite: Echter Mini?
Technisch basiert der Wagen auf einer Plattform von Great Wall Motors (ähnlich dem ORA 03), doch die Abstimmung kommt spürbar aus München. Mit 160 kW (218 PS) und 330 Nm Drehmoment geht es ordentlich vorwärts. Die Lenkung ist direkt, das Fahrwerk straff. Auf schlechten Straßen hoppelt der Wagen zwar etwas, dafür liegt er in Kurven wie das sprichwörtliche Brett.
Verbrauch & Reichweite im Wintertest: Bei -4 bis -6 Grad Außentemperatur und Winterreifen pendelte sich der Verbrauch in der Stadt bei ca. 16-18 kWh/100km ein. Auf der Autobahn-Strecke von München –> Warstein, lag der Verbrauch bei 19,5 kWh auf 100 km. Durchschnittlich 120 km/h sind wir gefahren.
Akku: 54 kWh (ca. 50 kWh netto)
Reichweite (Winter): Realistisch ca. 250 km.
Reichweite (Sommer): Geschätzt bis zu 300 km.
Das ist ein deutliches Plus gegenüber dem Vorgänger, macht den Mini aber immer noch primär zum Auto für Stadt und Umland.
Laden: Die größte Schwäche
Während das Fahren Spaß macht, erfordert das Laden etwas Geduld.
DC-Laden: Offiziell bis zu 95 kW. Im Test sahen wir kurzzeitig 101 kW Peak. Die Ladekurve ist treppenförmig; von 10 auf 80 % vergehen rund 32 bis 35 Minuten. Für 2026er Verhältnisse ist das nur Durchschnitt. Ein VW ID.3 lädt hier mittlerweile schneller.
AC-Laden: Der Mini lädt an der Wallbox nur mit 11 kW. Eine 22 kW-Option, die gerade für ein Stadtauto genial wäre (schnell mal beim Stadtbesuch vollmachen), fehlt leider komplett.
Der neue Mini Cooper SE ist ein gelungenes, wenn auch teures Lifestyle-Elektroauto. Aber seien wird mal ehrlich, Mini war schon seit je her eine Lifestyle Entscheidung. Die chinesische Herkunft merkt man ihm nicht an, die „BMW-DNA“ bei Fahrwerk und Software ist deutlich spürbar. Wer vor allem in der Stadt unterwegs ist und Wert auf Design, gute Software und Fahrspaß legt, wird hier glücklich. Wer oft Langstrecke fährt, wird sich an den harten Sitzen und der mittelmäßigen Ladeperformance stören.
Preis unseres Testwagens: ca. 41.000 € (inkl. Ausstattung).











