VW Amarok PanAmericana im Langstreckentest: Wie gut ist er im normalen Straßenverkehr?

Anders als ihr es vielleicht schon häufig in anderen Medien gelesen habt, konzentrieren wir uns in diesem Test nicht auf die Offroad-Fähigkeiten des Volkswagen Amarok im Sondermodell „PanAmericana“. Im Gegenteil. Uns interessierte der Langstreckentest auf befestigten Straßen und die Frage, ob der eigentlich für den Matsch gedachte Pick-up auch hier überzeugen kann.
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Der Volkswagen Amarok PanAmericana präsentiert sich als gelungene Mischung aus klassischem Arbeitsfahrzeug und modernem Allrounder. Mit seinem 3,0-Liter-V6-Diesel, der 10-Gang-Automatik und der insgesamt komfortabel abgestimmten Federung eignet er sich nicht nur für den harten Einsatz, sondern auch für lange Strecken. Auch bei höherem Tempo bleibt das Fahrzeug souverän und vermittelt ein sicheres Fahrgefühl – ein Bereich, in dem viele Pick-ups traditionell Schwächen zeigen.
Seine Stärken liegen klar in der Praxis. Eine hohe Anhängelast, durchdachte Ladefläche, robuste Materialien im Innenraum und eine insgesamt funktionale Bedienung machen es einfach mit ihm zu arbeiten. Im Gelände punktet der Amarok mit einfach zugänglichen Offroad-Funktionen, Differenzialsperre und verschiedenen Antriebsmodi inklusive Untersetzung. Unterstützt wird das Ganze durch sinnvolle Technik wie die 360-Grad-Kamera, ein flexibel konfigurierbares Kombiinstrument und einer sehr guten Schildererkennung. Im Detail offenbaren sich jedoch auch Schwächen. Das Infotainment reagiert träge, Assistenzsysteme wie der Totwinkelassistent arbeiten nicht immer fehlerfrei und der Platz im Fond bleibt eingeschränkt. Hinzu kommen kleinere Komforteinbußen wie ein nerviges Piepen bei höheren Geschwindigkeiten oder kein vohandenes Head-up-Display.
Unterm Strich ist der Amarok kein Fahrzeug für Detailverliebte, sondern ein klar auf Nutzen ausgelegter Pick-up mit überraschend hohem Komfortniveau. Wer ein vielseitiges Fahrzeug sucht, das Arbeit, Gelände und Langstrecke überzeugend kombiniert, findet hier ab 63.642,39 € für die Style-Version und 73.739,54 € für das von uns getestete PanAmericana-Sondermodell (jeweils inkl. 19 % MwSt.) ein stimmiges Gesamtpaket mit nur wenigen, eher praxisnahen Kompromissen.
- Bild: TechnikNews
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Design
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Die Front des Volkswagen Amarok wirkt nicht übertrieben aggressiv, vermittelt aber dennoch eine klare Präsenz auf der Straße. Die Gestaltung teilt sich farblich zwischen Schwarz und Silber gegenüber der Wagenfarbe gut auf. Im Kühlergrill setzt das V6-Emblem einen selbstbewussten Hinweis auf die Motorisierung. Der AMAROK-Schriftzug unterhalb des Grills fällt optisch weniger auf, ist dafür aber fühlbar ins Material eingelassen. Technisch überzeugen die Scheinwerfer mit dem Matrixlichtsystem IQ.Light. Im Alltag zeigt sich das System äußerst präzise. Entgegenkommende Fahrzeuge sowie Fahrradfahrer werden gezielt aus dem Lichtkegel ausgeblendet während der Rest der Fahrbahn durch das auffällig helle Fernlicht gut beleuchtet bleibt. Auch das Kurvenlicht leuchtet den Straßenverlauf weitreichend und gleichmäßig aus.
Die Seitenansicht des Volkswagen Amarok ist funktional geprägt. Die 18-Zoll-Felgen wirken in den großen Radhäusern vergleichsweise klein, ermöglichen aber einen langen Federweg und unterstützen die Geländetauglichkeit. Das Trittbrett ist gut dimensioniert und erleichtert zusammen mit dem Griff an der A-Säule das Ein- und Aussteigen deutlich. Chromfarbene Schriftzüge („PanAmericana“ über dem Trittbrett, „4MOTION“ im hinteren Bereich) setzen dezente optische Akzente. Zur Ausstattung zählen außerdem eine fest montierte Dachreling, ausgeprägte Schmutzfänger vorne und hinten sowie große Außenspiegel, die die Übersicht verbessern.
Am Heck des Volkswagen Amarok setzt dieses Modell auf eine funktionale Gestaltung mit einzelnen Akzenten. Auffällig sind der schwarze Sportbügel sowie der in die Heckklappe eingestanzte AMAROK-Schriftzug. Ergänzt wird das Erscheinungsbild durch das V6-Emblem links unten und den „4MOTION“-Schriftzug rechts. Das optionale elektrische Rollo lässt sich per Fahrzeugschlüssel, aus dem Innenraum oder direkt über einen Taster auf der Ladefläche bedienen und lässt trotz Hochdruckstahl kaum Wasser ins Innere. Neben dem Taster befindet sich ein 12-Volt-Anschluss, darüber ein verschiebbares, optionales System zum Beladungsmanagement auf beiden Seiten. Vier Verzurrösen stehen zur Ladungssicherung bereit, die Ausleuchtung der Ladefläche ist gut. Die Heckklappe ist nicht gedämpft, bietet aber angedeutete Becherhalter und eignet sich auch als Sitzfläche. Abgerundet wird das Heck durch eine Anhängerkupplung mit natürlich 3,5 Tonnen maximale Anhängelast (Gesamtzuggewicht 6.500 kg) sowie einer großflächigen LED-Lichtsignatur.
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Innenraum
Im Innenraum des Volkswagen Amarok steht Funktionalität klar im Vordergrund. Auf den vorderen Plätzen bieten die elektrisch einstellbaren und beheizten Ledersitze mit integrierter Lordosenstütze eine solide, eher straffe Polsterung, die Kopfstützen sind mechanisch verstellbar. Die Materialwahl ist insgesamt robust und pflegeleicht, auf einfache Reinigung ausgelegt. Knarzgeräusche treten nicht auf, lediglich die Armauflage wirkt etwas wackelig. In der Mittelkonsole finden sich zwei Becherhalter, ein Staufach unter der Armauflage sowie Anschlüsse in Form von 12 Volt, USB-C und USB-A. Ergänzt wird dies durch ein induktives Ladepad. Der belederte Gangwahlhebel bietet zusätzlich eine manuelle Gangwahl durch seitlich angebrachte Tasten mit denen auch Gänge gesperrt werden können. Das Lenkrad setzt auf physische Tasten und ist dadurch gut bedienbar. Mit 12,3 Zoll haben wir ein großes aber leider auch sehr träges Infotainmentsystem auf dem Apple CarPlay zuverlässiger als die eigene Software funktioniert und die Klimabedienung über kleine Touchflächen geregelt werden muss.
Praktische Details zeigen sich im gesamten Innenraum. Zwei Handschuhfächer, wovon das untere abschließbar und beleuchtet ist, sowie Becherhalter in allen Türen sorgen für zusätzliche Ablagemöglichkeiten. Die Türen lassen sich über integrierte Griffe in der Armauflage schnell und komfortabel öffnen. Im Dachhimmel befinden sich mehrere Kippschalter für Zusatzfunktionen (z. B. Zusatzbeleuchtung) sowie ein Brillenfach. Ein automatisch abblendender Innenspiegel und eine ziemlich lasche Lenkradheizung sind ebenfalls vorhanden. Ambientebeleuchtung bekommt man sehr reduziert in beiden vorderen Türtafeln und Fußräumen. Das serienmäßige Soundsystem von Harman Kardon mit acht Lautsprechern, Subwoofer und 640 Watt liefert eine für ein Nutzfahrzeug überdurchschnittlich gute Klangqualität.
Im Fond setzt sich der funktionale Ansatz fort. Der Einstieg gelingt dank Trittbrett und Haltegriff an der B-Säule problemlos. An den Rückseiten der Vordersitze befinden sich Taschen, darunter eine gepolsterte Ausführung im unteren Bereich. Die Mittelkonsole bietet eine 230-Volt-Steckdose (150 W, US-Layout, Adapter erforderlich) sowie einen 12-Volt-Anschluss. Eine eigene Klimazone fehlt, jedoch sind zwei Lüftungsdüsen vorhanden. Die Rückbank ist als Dreisitzer ausgeführt, bietet in der Mitte jedoch nur begrenzten Platz. Für größere Personen wird es eng, bleibt aber durch Aussparungen in den vorderen Sitzen noch nutzbar, sofern Fahrer und Fondpassagiere unter etwa 1,90 m groß sind. Isofix-Befestigungen sind auf den äußeren Plätzen vorhanden. Der Mitteltunnel fällt vergleichsweise klein aus. Eine umklappbare, weich ausgeführte hintere Mittelkonsole mit zwei Getränkehaltern ist integriert, sitzt jedoch sehr fest. Ergänzend stehen im unteren Bereich vor der Rückbank drei kleine Ablagefächer zur Verfügung.
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Technische Daten und Fahreindruck
Der Volkswagen Amarok PanAmericana misst in der Länge rund 5,35 m, bei einer Breite von etwa 1,91 m (ohne Spiegel) und einer Höhe von knapp 1,88 m. Der Vorderüberhang fällt mit ca. 869 mm vergleichsweise kompakt aus, während der hintere Überhang mit rund 1.251 mm deutlich länger ist und die ausgeprägte Ladeflächenorientierung des Fahrzeugs unterstreicht. Die Ladefläche selbst ist praxisgerecht dimensioniert und bietet eine Länge von etwa 1,62 m sowie eine Gesamtbreite von rund 1,52 m. Zwischen den Radkästen verbleiben etwa 1,21 m, was den Transport einer Euro-3-Palette ermöglicht. Die Bordwandhöhe liegt bei ca. 525 mm und erleichtert das Be- und Entladen im Alltag.
Wir sind im Langstreckentest mit dem Geländewagen von Dortmund nach Frankreich gefahren und fühlten uns wie in einem normalen SUV. Durch einen Hattrick aus bequemen Sitzen, angenehme Federung (trotz Blattfedern) und 10-Gang-Automatik wurder der Amarok für einen Moment vom Off-Road Fahrzeug zum Alltagsauto. Der 3,0-Liter-V6-TDI mit 240 PS und 600 Nm Drehmoment arbeitet kraftvoll und lässt uns mit einem sicheren Gefühl bis Tempo 190 beschleunigen. Aufpassen sollte man nur bei starken Bremsmanövern. Kommen hierbei die 2.457 kg Leergewicht auf einen Schlag nach vorne gedrückt, wird die Lenkung recht schwammig. Teilweise nervig war die Soundkulisse: Ein hochfrequentes Piepen um 1,2 Bar Ladedruck und Luftverwirbelungen auf der Autobahn als sei die Dichtung vom Fahrerfenster undicht. Bei Richtgeschwindigkeit 130 bleibt der Amarok bei 2.000 U/min und 1 Bar Ladedruck und erzeugt somit kein Piepen.
Im Bereich der Assistenzsysteme zeigt sich der Volkswagen Amarok für ein Arbeitsauto im Grunde solide, mit leichten Schwächen in der Feinabstimmung. Der Totwinkelassistent auf der rechten Seite reagiert gelegentlich zu sensibel und erkennt vereinzelt Objekte wie reflektierende Wände fälschlicherweise als Fahrzeug. Das adaptive Tempomat-System (ACC) arbeitet hingegen aufmerksam, erkennt auch Fahrradfahrer zuverlässig und reagiert entsprechend mit Bremsvorgängen sowie optischen Hinweisen im Spiegel. Für Übersicht sorgt das 360-Grad-Kamerasystem, welches insbesondere beim Rangieren und im Gelände einen klaren Mehrwert bietet. Unverständlich ist mir hierbei nur, dass wenn man im Rückwärtsgang war man beim Vorwärtsfahren nicht selber auf die Frontkamera schalten kann bzw. das erst später über drei Klicks möglich ist. Das digitale Kombiinstrument ist individuell konfigurierbar und stellt zusätzliche hilfreiche Informationen bereit, ob für den Offroad-Einsatz oder auf der Straße.
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Die Bedienung zentraler Offroad-Funktionen ist puristisch gelöst. In der Mittelkonsole befinden sich drei Direktwahltasten für die hintere Differenzialsperre, den Bergabfahrassistenten und das ESP. Ergänzt wird dies durch einen Drehregler zur schnellen Wahl zwischen Heckantrieb, automatisch geregeltem Allradantrieb und einem speziellen Allradmodus für unbefestigte Untergründe inklusive Geländeuntersetzung. Zusätzlich stehen mehrere Fahrmodi zur Verfügung, die das Fahrzeug an unterschiedliche Einsatzbedingungen anpassen.
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Verbrauch und Reichweite
Der 3.0 V6 möchte gut versorgt werden. So kamen wir auf einen Verbrauch von 8,2 l außerorts und zwischen 11 bis 12 l innerorts. Es kann bei stark stockenden Verkehr oder sehr schneller Fahrt auf der Autobahn aber auch Richtung 15 Liter gehen. Ob wir dabei im reinen Heckantrieb oder mit automatischem Allrad unterwegs waren hat dank der intelligenten Umschaltung kaum einen Unterscheid gemacht. Bei einem vollen Tank kommt man mit den 80 l Diesel also zwischen 975 km und 533 km weit.
Vielen Dank an VW Nutzfahrzeuge Deutschland für die Bereitstellung des Amarok PanAmericana für diesen Testbericht

















