Unser Testfazit
Ausom L1
Der Ausom L1 ist ein richtig guter E-Scooter für alle, die täglich in der Stadt pendeln und dabei Wert auf Komfort und einen großen Akku legen. Federung, Bremsen und Blinker überzeugen, und mit 589 Euro ist der Preis sehr fair. Wer seinen Scooter oft tragen oder in der Bahn mitnehmen muss, sollte wegen der knapp 30 Kilogramm aber zu einem leichteren Modell greifen.
- Verarbeitung 8,5
- Fahrkomfort 9
- Antrieb und Bremsen 8,5
- Akku 7,5
- Ausstattung 8,5
- Handhabung 6
- Preis-Leistung 9
Pro
- Komfortable Vollfederung vorn und hinten
- Kräftiger Motor mit sanfter Abregelung
- Starke Scheibenbremsen an beiden Rädern
- Großer Akku mit 748,8 Wh
- Helle Blinker an den Lenkerenden
- Wegfahrsperre per PIN oder NFC ohne App
- Gute Verarbeitung für die Preisklasse
- Straßenzulassung (ABE)
Contra
- Hohes Gewicht von 28,4 kg
- Umständlicher Klappmechanismus
- Lange Ladezeit von rund 11 Stunden
- Akkustand nur als Balkenanzeige
- Einstellungen nur über verstecktes Menü
- Blinker ohne Tonsignal und automatisches Abschalten
E-Scooter mit Federung an beiden Rädern, großem Akku und Straßenzulassung waren bislang vor allem eine Frage des Budgets. Wer über Kopfsteinpflaster und schlechte Radwege rollen wollte, ohne jede Fuge in den Knien zu spüren, musste meist deutlich tiefer in die Tasche greifen. Der Ausom L1 will das ändern. Er bringt eine Vollfederung, einen Akku mit knapp 750 Wattstunden, Blinker und eine Allgemeine Betriebserlaubnis für den deutschen Straßenverkehr mit, und das für 589 Euro.
Ich bin den L1 in den vergangenen vier Wochen als Alltagsfahrzeug gefahren, vor allem auf dem Weg zur Uni und zurück und viel in der Hamburger HafenCity. Um es vorwegzunehmen: Für das Geld bekommt man einen richtig guten E-Scooter. Man muss nur bereit sein, ein paar Kilo mehr zu bewegen.
Den L1 gibt es in zwei Varianten, mit 15,6 oder 20,8 Amperestunden. Getestet habe ich die kleinere Version mit 15,6 Amperestunden.
Aufbau und Verarbeitung
Schon das Auspacken ist eine kleine Kraftübung, denn der Karton wiegt knapp 32 Kilogramm. Ganz so schnell wie bei manch anderem E-Scooter ist der L1 danach auch nicht fahrbereit. Nachdem die Lenkstange aufgeklappt und fixiert ist, müssen Lenker, Display und Frontlicht noch einzeln angeschraubt werden. Das passende Werkzeug liegt bei, ebenso Montagehandschuhe, das Ladegerät und drei NFC-Karten. Mit etwa einer Viertelstunde sollte man rechnen. Danach lohnt sich noch ein Blick auf den Reifendruck und die Bremsen.
Optisch macht der L1 mehr her, als sein Preis vermuten lässt. Der Rahmen besteht aus Stahl, ist grau lackiert und hat ein paar gelb-orangene Akzente. Das wirkt eher nach Werkzeug als nach Lifestyle-Gadget, und das passt zu dem, was der L1 sein will. Die Verarbeitung ist für die Preisklasse sehr ordentlich, die Schweißnähte sind sauber und die Lenkstange sitzt fest. Gegen Spritzwasser ist der L1 nach IP54 geschützt, eine Fahrt durch den Hamburger Regen ist also kein Problem.
Das Trittbrett ist mit 51,5 x 18,7 Zentimetern angenehm groß, man kann problemlos mit beiden Füßen nebeneinander stehen. Am Heck gibt es eine leicht erhöhte Ablage, an der man den hinteren Fuß abstützen kann. Weil das Trittbrett recht hoch über dem Boden liegt, sind auch höhere Bordsteinkanten kein großes Hindernis. Die großen Schutzbleche halten Spritzwasser zuverlässig ab.
Der Preis für diese Robustheit ist das Gewicht. Mit 28,4 Kilogramm in der kleinen und 29,6 Kilogramm in der großen Akkuvariante ist der L1 ein echtes Schwergewicht. Ich hatte das Glück, ihn im Test kaum tragen zu müssen, denn wenn, dann merkt man jedes Kilo. Wer seinen E-Scooter regelmäßig Treppen hochtragen oder in Bus und Bahn mitnehmen will, sollte sich das gut überlegen.
Dazu kommt ein Klappmechanismus, der unnötig umständlich ist. Statt eines Schnellspannhebels muss man zunächst einen großen Drehknopf lösen, danach wird die Lenkstange am Heck eingehakt. Das klappt aber nur, wenn die Lenkstange vorher auf die richtige Höhe gebracht wurde. Zusammengeklappt misst der L1 noch immer 125 x 69 x 56 Zentimeter, weil sich der Lenker selbst nicht einklappen lässt. Für den Kofferraum reicht das, für den täglichen Wechsel zwischen Scooter und Bahn ist er nicht gedacht.
Eine Einschränkung sollten schwerere Fahrer kennen: Die maximale Zuladung liegt laut Ausom bei 106,6 Kilogramm, das zulässige Gesamtgewicht inklusive Scooter bei 135 Kilogramm. Das ist ordentlich, aber nicht außergewöhnlich viel.
Lenker, Display und Bedienung
Der Lenker ist mit 69 Zentimetern angenehm breit und gibt viel Kontrolle. Seine Höhe lässt sich verstellen, laut Ausom eignet sich der L1 damit für Fahrer zwischen 1,40 und 2 Metern Körpergröße. Die Griffe sind dick und liegen gut in der Hand. Der Gashebel sitzt allerdings recht weit oben und nah am Bremsgriff, daran muss man sich erst gewöhnen.
Das 4,5 Zoll große LC-Display ist eines der größten, die man an einem E-Scooter dieser Preisklasse findet. Es zeigt Geschwindigkeit, Fahrmodus, Strecke und Akkustand übersichtlich an. Den Akkustand gibt es allerdings nur als Balkenanzeige. Eine Prozentangabe oder eine Schätzung der Restreichweite wären bei einem Scooter, der auf lange Strecken ausgelegt ist, deutlich hilfreicher.
Spannend ist die Wegfahrsperre. Bevor man losfahren kann, muss der L1 entsperrt werden, entweder mit einer der drei mitgelieferten NFC-Karten, die man kurz an das Display hält, oder mit einem PIN-Code, den man über die Tasten am Lenker eingibt. Ich habe den L1 im Test immer per PIN entsperrt, das geht schnell und hat jedes Mal funktioniert. Ab Werk ist der Code 0000, den sollte man also direkt ändern. Das ist eine einfache, aber wirksame Lösung, die ohne Smartphone, App oder Konto auskommt.
Der Haken: Wer den PIN ändern oder eine neue Karte anlernen will, muss in ein verstecktes Menü, das man über einen gleichzeitigen Druck auf Plus- und Minus-Taste erreicht. Dort verbergen sich die Einstellungen hinter Kürzeln wie P18 für die NFC-Karten oder P23 für das Passwort. Ohne Bedienungsanleitung kommt man hier nicht weit. Eine App gibt es nicht. Das kann man je nach Sichtweise als Vorteil oder als Nachteil sehen, denn mit einer App wäre die Verwaltung deutlich komfortabler.
Fahren
Drei Fahrmodi stehen zur Wahl: Eco mit 10 km/h, Sport mit 15 km/h und Race mit den gesetzlich erlaubten 20 km/h. Umgeschaltet wird über die Plus- und Minus-Taste am Lenker. Dazu gibt es einen Schiebemodus, der beim Schieben des schweren Scooters hilft.
Angetrieben wird der L1 von einem Nabenmotor im Hinterrad mit 500 Watt Nennleistung und bis zu 930 Watt in der Spitze. Für einen E-Scooter mit Straßenzulassung ist das kräftig. Der L1 zieht aus dem Stand ordentlich an und regelt an der Höchstgeschwindigkeit sanft ab, ohne das Ruckeln an der 20-km/h-Grenze, das man von manch anderem E-Scooter kennt.
Das Herzstück des L1 ist die Federung. Vorder- und Hinterrad hängen an Schwingen mit einstellbaren Federn, die Schlaglöcher, Kopfsteinpflaster und unebene Wege gut wegdämpfen. Die Federhärte lässt sich mit dem mitgelieferten Werkzeug an das eigene Gewicht und den eigenen Geschmack anpassen. Unterstützt wird die Federung von 10 Zoll großen, schlauchlosen Reifen, die gut greifen und weniger anfällig für Platten sind als Schlauchreifen.
Gelenkt hat sich der L1 bei mir gut, auch in der HafenCity mit ihren vielen Kurven, Brücken und wechselnden Belägen. Manchmal merkt man beim Lenken allerdings, dass man einen großen, schweren Scooter unter sich hat. Das gehört bei dieser Bauart aber dazu, und wer von einem leichten City-Scooter umsteigt, gewöhnt sich schnell daran.
Gebremst wird mit mechanischen Scheibenbremsen an beiden Rädern, unterstützt von einer elektrischen Motorbremse. Die Bremsen packen kräftig zu, lassen sich aber trotzdem gut dosieren.
Licht und Blinker
Auch bei der Beleuchtung macht Ausom vieles richtig. Der Frontscheinwerfer ist hell, lässt sich in der Neigung verstellen und strahlt auch zur Seite ab, sodass man im Dunkeln von der Seite besser gesehen wird. Das Rücklicht leuchtet beim Bremsen heller auf. Einen Lichtsensor gibt es nicht, eingeschaltet wird das Licht über einen eigenen Schalter.
Das wichtigste Ausstattungsdetail sind aber die Blinker an den Lenkerenden. Die sind hell und gut sichtbar und werden über einen Kippschalter links am Lenker bedient. Im Alltag ist das ein echter Gewinn, denn man muss beim Abbiegen nicht mehr einhändig den Arm herausstrecken. Allerdings gibt der L1 kein Tonsignal, solange der Blinker läuft, und er schaltet ihn auch nicht automatisch wieder ab. Ans Zurückstellen muss man also selbst denken.
Ganz nebenbei ist der L1 damit schon auf dem Stand, den der Gesetzgeber bald verlangt. Nach der Reform der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung müssen E-Scooter, die ab 2027 neu auf den Markt kommen, Blinker haben. Wer jetzt kauft, muss sich darüber also keine Gedanken machen. Wie jeder E-Scooter mit Straßenzulassung braucht auch der L1 ein Versicherungskennzeichen.
Akku und Reichweite
Der Akku ist fest verbaut und hat in der kleinen Variante eine Kapazität von 748,8 Wattstunden, in der großen von rund 1.000 Wattstunden. Ausom verspricht bis zu 70 beziehungsweise 90 Kilometer Reichweite. Diese Werte stammen allerdings aus dem Labor, gemessen mit einem 70 Kilogramm schweren Fahrer bei konstant 15 km/h, 20 bis 25 Grad und auf ebener, trockener Strecke. Mit dem Alltag hat das wenig zu tun.
Im Alltag musste ich mir um die Reichweite trotzdem keine Sorgen machen. Den Weg zur Uni und zurück hat der L1 immer problemlos geschafft, inklusive der Fahrten durch die HafenCity. Geladen habe ich ihn dann abends. Gerade jetzt im Herbst und Winter sollte man außerdem bedenken, dass niedrige Temperaturen die Reichweite spürbar sinken lassen.
Die Kehrseite des großen Akkus ist die Ladezeit. Das mitgelieferte Ladegerät liefert nur 1,5 Ampere, eine volle Ladung dauert damit rund elf Stunden, bei der großen Akkuvariante noch länger. Der L1 ist damit ein klassischer Scooter, den man über Nacht lädt. Weil sich der Akku nicht herausnehmen lässt, muss dafür der ganze Scooter an die Steckdose. Die Bedienungsanleitung rät zudem davon ab, in Innenräumen zu laden. Wer weder Keller noch Garage mit Steckdose hat, sollte sich vor dem Kauf überlegen, wo der L1 laden soll.
Preis und Verfügbarkeit
Der Ausom L1 ist in Deutschland erhältlich und kostet aktuell 589 Euro mit dem 15,6-Ah-Akku und 679 Euro mit dem 20,8-Ah-Akku. Für einen voll gefederten E-Scooter mit großem Akku, Blinkern und Straßenzulassung ist das ein sehr fairer Preis. In dieser Kombination findet man zu diesem Kurs aktuell kaum Konkurrenz. Mit dem Code „TKAL1“ können TechnikNews.NET Leser 40 € sparen.
Fazit
Der Ausom L1 ist ein richtig guter E-Scooter. Die Federung macht schlechte Straßen und Kopfsteinpflaster angenehm, der Motor hat genug Kraft, die Bremsen packen zuverlässig zu, und für den täglichen Weg zur Uni hat der Akku immer gereicht. Dazu kommen helle Blinker, eine gute Beleuchtung und eine Wegfahrsperre per PIN oder NFC-Karte, die ganz ohne App auskommt. Auch die Verarbeitung ist für diese Preisklasse überraschend gut.
Kritik gibt es trotzdem. Mit knapp 30 Kilogramm ist der L1 sehr schwer, der Klappmechanismus ist umständlich, und die Ladezeit von rund elf Stunden erfordert Geduld. Die Akkuanzeige ist zu ungenau, und die Einstellungen im versteckten Menü sind ohne Anleitung kaum zu finden.
Wer täglich in der Stadt pendelt, einen großen Akku möchte und seinen Scooter nicht ständig tragen muss, bekommt mit dem Ausom L1 sehr viel E-Scooter für 589 Euro. Wer dagegen einen leichten Begleiter für Bahn und Treppenhaus sucht, sollte sich eher nach einem kleineren Modell umsehen.











