Oppo Find X10 im Test: Fast alles richtig, aber

Oppo bringt die Find-X10-Serie nach Deutschland, und zum ersten Mal schaffen es gleich zwei Modelle zu uns: das Find X10 Pro Max als technisches Aushängeschild und das Find X10, das ich mir in den vergangenen zwei Wochen genauer angeschaut habe. Auf dem Papier ist das „normale“ Modell das vernünftigere der beiden, in der Praxis ist es aber immer noch ein Flaggschiff durch und durch. Vernünftig ist allerdings nicht der Preis: Ab 1.299 Euro will Oppo für das Find X10 haben. Ob das gerechtfertigt ist, klärt unser Test.
Design und Verarbeitung
Das Find X10 ist mit 156,51 x 74,29 x 8,35 Millimetern und 210 Gramm kein kleines Smartphone, liegt aber überraschend angenehm in der Hand. Der Rahmen besteht aus mattem Aluminium mit flachen Seiten und sanft abgerundeten Kanten, die Rückseite aus einem einzigen Stück Glas mit samtiger, matter Oberfläche. Fingerabdrücke sieht man darauf kaum, und das Gerät wirkt in jeder Hinsicht hochwertig verarbeitet.
Dass man beim ersten Blick an ein iPhone denkt, lässt sich nicht wegdiskutieren. Flache Seiten, abgerundete Ecken, ein großes Kameraplateau oben links, das erinnert schon stark an Apple. Gleichzeitig hat Oppo genug Eigenes eingebaut, damit das Find X10 nicht als Kopie durchgeht. Das Glas der Rückseite läuft ohne harte Kante in die Kamerainsel über, und das Kameramodul mit seinen drei Linsen, dem Hasselblad-Logo und dem separaten Bereich für Blitz und Farbsensor hat einen eigenen Stil, der mir gut gefällt. Neben Mist Grey gibt es das Find X10 noch in Glacier Blue und Glow Coral.
Beim Thema Robustheit gibt sich Oppo keine Blöße. Das Find X10 ist nach IP66, IP68 und IP69 gegen Staub und Wasser geschützt, übersteht also auch Hochdruck-Wasserstrahlen. Das Display lässt sich zudem bei Regen nutzen, macht in der Branche sonst keiner. Vorder- und Rückseite sind mit Oppos Crystal Guard Glass geschützt, das gemeinsam mit Corning entwickelt wurde.
Neu ist der Snap Key auf der linken Seite, Oppos Antwort auf Apples Action Button. Ab Werk ist er mit AI Mind Space verknüpft: Ein kurzer Druck speichert den aktuellen Bildschirminhalt, ein langer Druck eine Sprachnotiz. Alternativ lassen sich Taschenlampe, Tonprofile, Sprachaufnahme, Übersetzung oder Screenshots darauf legen. Wirklich genutzt habe ich die Taste im Test aber kaum, denn sie wirkt noch halbgar. Eigene Apps lassen sich nicht frei darauf legen, und genau das würde die Taste erst sinnvoll machen. Wenn Oppo hier per Update nachbessert, wird der Snap Key zu einem praktischen Extra. Aktuell ist er eher ein Knopf, den man irgendwann vergisst.
Bildschirm
Das Display ist für mich eines der Highlights des Find X10. Oppo verbaut ein flaches 6,59-Zoll-AMOLED-Panel mit 2.772 x 1.272 Pixeln, einer Pixeldichte von 462 ppi und einer adaptiven Bildwiederholrate von 1 bis 120 Hertz. Bis zu 144 Hertz gibt es nur in ausgewählten Spielen wie Call of Duty: Mobile oder PUBG Mobile.
Was sofort auffällt, sind die Displayränder. Die sind mit 0,99 Millimetern rundherum gleichmäßig dünn und damit die schmalsten, die Oppo je in einem Smartphone verbaut hat. Das sieht richtig modern aus, und im Alltag hat man tatsächlich das Gefühl, nur noch den Bildschirminhalt in der Hand zu halten. Im Vergleich dazu wirken viele andere aktuelle Smartphones plötzlich ein bisschen altbacken. Das ist für mich ein echtes Alleinstellungsmerkmal.
Auch bei der Helligkeit gibt es nichts zu meckern. Oppo nennt 2.000 Nits im Vollbild und bis zu 3.600 Nits in der Spitze. Diese Zahlen sind wie immer mit etwas Vorsicht zu genießen, in der Praxis war das Display bei mir aber auch in direkter Sonne problemlos ablesbar. Am anderen Ende der Skala geht es bis auf einen Nit herunter, was abends im Bett angenehm ist. Wer empfindlich auf Flimmern reagiert, freut sich über PWM-Dimmung mit 3.840 Hertz.
Die Farbdarstellung ist ab Werk sehr natürlich abgestimmt. Oppo wirbt zudem damit, dass das Panel 95 Prozent des BT.2020-Farbraums abdeckt, der eigentlich aus der Film- und Fernsehproduktion kommt und deutlich größer ist als der bei Smartphones übliche DCI-P3-Farbraum. Im Alltag merkt man davon vor allem bei HDR-Inhalten etwas, die in Dolby Vision kräftig und trotzdem nicht übertrieben wirken. Für die meisten ist das eher ein Detail, für alle, die mit dem Smartphone Fotos und Videos bearbeiten, aber ein echtes Plus.
Hardware und Software
Im Inneren arbeitet der MediaTek Dimensity 9600M, gefertigt im 3-Nanometer-Verfahren von TSMC, zusammen mit 12 GB LPDDR5X-Arbeitsspeicher und 256 oder 512 GB UFS-4.1-Speicher. Das Pro Max bekommt mit dem Dimensity 9600 Pro noch eine etwas stärkere Variante, im Alltag spielt das aber keine Rolle. Das Find X10 ist durchweg flott, Apps starten schnell, Animationen laufen flüssig, und auch viele offene Apps nebeneinander bringen das Gerät nicht ins Stocken.
Spürbar warm geworden ist das Find X10 in meinem Test nicht. Wer allerdings regelmäßig stundenlang anspruchsvolle Spiele auf höchsten Einstellungen spielt, ist mit dem stärkeren Chip im Pro Max besser aufgehoben. Für alle anderen reicht die Leistung des Find X10 locker und auch für die nächsten Jahre.
Weitere Ausstattung gibt es reichlich: Wi-Fi 7, Bluetooth 6.2, NFC, Dual-SIM, ein schneller USB-C-Anschluss mit USB 3.2 Gen 1 für den flotten Datentransfer großer Foto- und Videodateien sowie ein Ultraschall-Fingerabdrucksensor im Display, der schnell und zuverlässig entsperrt.
Software des OPPO Find X10
Als Software kommt ColorOS 17 auf Basis von Android 17 zum Einsatz. Optisch gefällt mir die Oberfläche gut, sie ist durchdacht, flüssig und lässt sich umfangreich anpassen. Zwei Dinge haben mich aber richtig genervt. Zum einen ist das Find X10 mit zahlreichen vorinstallierten Drittanbieter-Apps vollgestopft. Die lassen sich zwar deinstallieren, bei einem Smartphone für 1.300 Euro hat so etwas aber schlicht nichts verloren. Zum anderen kamen Benachrichtigungen im Test immer wieder verspätet an, weil ColorOS Apps im Hintergrund sehr aggressiv beendet. Das lässt sich zwar über die Akku-Einstellungen pro App beheben, darf in dieser Preisklasse aber nicht sein.
Natürlich setzt auch Oppo stark auf KI. Mit Mind Pilot gibt es eine eigene App, die Gemini, ChatGPT und Perplexity unter einem Dach bündelt, dazu kommen KI-Bearbeitungsfunktionen in der Galerie. Das finde ich grundsätzlich cool, wirklich genutzt habe ich es im Test aber nicht. Für alles, was ich im Alltag mit KI erledige, gibt es Gemini, und so tief ist Oppos eigene KI dann auch nicht in das System integriert, dass sie mir einen echten Mehrwert gebracht hätte.
Beim Update-Versprechen garantiert Oppo fünf große Android-Updates und sechs Jahre Sicherheitsupdates. Das ist ordentlich, Samsung und Google sind mit sieben Jahren aber noch etwas großzügiger.
Lautsprecher
Das Find X10 setzt auf Stereo-Lautsprecher, wobei die Ohrmuschel als oberer Lautsprecher dient. Negativ aufgefallen ist mir hier nichts, im Gegenteil. Die Lautsprecher sind ausreichend laut, Stimmen in Videos und Podcasts sind gut verständlich, und für YouTube oder Serien zwischendurch macht der Klang einen guten Eindruck. Eine Bluetooth-Box ersetzen sie natürlich nicht, für ein Smartphone ist das aber eine runde Sache.
Akkulaufzeit
Kommen wir zum absoluten Highlight des Find X10. Oppo verbaut einen Silizium-Kohlenstoff-Akku mit 7.150 mAh, und das in einem Gehäuse, das gerade einmal 8,35 Millimeter dick ist. Ein kleiner Wermutstropfen: In anderen Regionen wie Asien bekommt das Find X10 sogar einen 8.000-mAh-Akku, nach Europa schafft es nur die kleinere Variante. Das ist schade, ändert aber nichts daran, dass es der größte Akku ist, den ich je in einem Smartphone dieser Art genutzt habe.
Und das merkt man. In den zwei Wochen habe ich das Find X10 kein einziges Mal an einem Tag leer bekommen, und ich bin wirklich niemand, der sein Smartphone schont. Anderthalb Tage sind auch bei intensiver Nutzung absolut realistisch, wer sein Smartphone etwas weniger nutzt, kommt auch auf zwei Tage. Laut Oppo soll der Akku zudem nach fünf Jahren typischer Nutzung noch über 80 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität haben.
Geladen wird mit bis zu 80 Watt per Kabel über Oppos SuperVOOC-Netzteil, mit anderen USB-PD-Netzteilen sind immerhin bis zu 55 Watt möglich. Ich habe sowohl das Oppo-Netzteil als auch meine eigenen Ladegeräte genutzt, und in beiden Fällen ist das Find X10 wirklich schnell wieder voll. Mit dem 80-Watt-Netzteil dauert eine komplette Ladung rund eine Stunde. Kabellos lädt das Find X10 mit bis zu 50 Watt, Reverse Charging für Kopfhörer und Co. ist ebenfalls an Bord.
Kameras
Die Kamera ist traditionell die Paradedisziplin der Find-X-Serie, und das Find X10 bildet da keine Ausnahme. Gemeinsam mit Hasselblad hat Oppo ein Setup mit gleich zwei 200-Megapixel-Kameras entwickelt: Die Hauptkamera nutzt einen 1/1,4 Zoll großen Sensor mit f/1.6-Blende und optischer Bildstabilisierung, die Periskop-Telekamera einen 1/1,56 Zoll großen Sensor mit 65 Millimetern Brennweite, also rund 2,8-fachem Zoom, und ebenfalls optischer Stabilisierung. Dazu kommen eine 50-Megapixel-Ultraweitwinkelkamera und eine 50-Megapixel-Frontkamera mit Autofokus und einem sehr weiten Blickwinkel von 100 Grad, die sich gut für Gruppenselfies und Vlogs eignet.
Neu ist die LUMO True Image Engine. Dahinter steckt der Ansatz, Fotos weniger aggressiv nachzubearbeiten als bisher: weniger Nachschärfen, weniger HDR-Effekt, natürlichere Hauttöne. Unterstützt wird das von einem multispektralen Farbsensor, der die Farben der Szene genauer erfassen soll. Das Ergebnis sieht man: Fotos wirken auf den ersten Blick vielleicht etwas weniger knackig als bei manch anderem Smartphone, dafür aber deutlich natürlicher und näher an dem, was man tatsächlich gesehen hat. Standardmäßig speichert das Find X10 übrigens Bilder mit 26 Megapixeln, die vollen 200 Megapixel gibt es über den Hasselblad-Hi-Res-Modus.
Fotografiert habe ich im Test vor allem mit der Hauptkamera, und die ist wirklich richtig gut. Fotos sind detailreich, die Farben stimmig, und auch bei schwierigerem Licht liefert sie zuverlässig ab. Auch der Zoom überzeugt mich und bewegt sich auf dem Niveau meines iPhone 18 Pro. Dank des großen 200-Megapixel-Sensors lassen sich auch höhere Zoomstufen ohne großen Qualitätsverlust nutzen. Wer noch weiter heranzoomen möchte, kann den optional erhältlichen Hasselblad-Telekonverter aufsetzen, der mit der Telekamera einen elfachen optischen Zoom ermöglicht. Das Find X10 ist das erste Standardmodell der Find-X-Serie, das diesen Aufsatz unterstützt.
Wir haben wieder einiges an Fotos mit dem OPPO Find X10 gemacht, die ihr euch hier anschauen könnt.
Den einzigen richtigen Abstrich gegenüber dem Pro Max muss man bei der Ultraweitwinkelkamera machen. Die ist mit ihrem kleineren Sensor die schwächste Linse im Setup, vor allem wenn es dunkler wird. Bei Tageslicht macht sie aber ordentliche Bilder, und ich glaube, die meisten werden den Unterschied im Alltag kaum bemerken. Zudem fehlt der Telekamera im Gegensatz zum Pro Max die Nahfokus-Fähigkeit für Makroaufnahmen.
Auch bei Videos legt Oppo nach. Alle drei rückseitigen Kameras filmen in 4K mit 60 Bildern pro Sekunde in Dolby Vision, Haupt- und Telekamera schaffen zusätzlich 4K mit 120 Bildern pro Sekunde und 8K mit 30 Bildern pro Sekunde. Für Kreative gibt es Open-Gate-Aufnahmen, bei denen die volle Sensorfläche genutzt wird und sich ein Clip später sowohl im Hoch- als auch im Querformat zuschneiden lässt, dazu das Log-Profil O Log2 und eine angepasste Version der Blackmagic-Camera-App.
Preis und Verfügbarkeit
Das Oppo Find X10 ist ab sofort in Deutschland erhältlich. Die Version mit 12 GB und 256 GB kostet 1.299 Euro, die Variante mit 512 GB 1.499 Euro. Das ist ein deutlicher Aufschlag gegenüber dem Vorgänger. Das Find X10 Pro Max liegt bei 1.799 Euro.
Wer bis zum 28. Oktober 2026 vorbestellt, erhält 100 Euro Sofortrabatt und wahlweise den Hasselblad-Telekonverter, eine Oppo Watch X3 oder ein Oppo Pad 5 im Wert von rund 500 Euro dazu, solange der Vorrat reicht. Zusätzlich gibt es beim Eintausch eines Oppo- oder OnePlus-Geräts 250 Euro, bei einem Apple- oder Samsung-Gerät 150 Euro extra.
Fazit
Das Oppo Find X10 ist ein richtig gutes Smartphone. Das Display mit seinen extrem schmalen Rändern ist ein echtes Highlight, die Hauptkamera und der Zoom spielen ganz oben mit, und der Akku ist schlicht der beste, den ich bisher in einem Smartphone dieser Größe erlebt habe. Dazu kommen eine hochwertige Verarbeitung und ein Design, das sich zwar am iPhone orientiert, durch das Kameramodul aber seinen eigenen Stil hat.
Kritik gibt es trotzdem. Der Snap Key ist noch nicht zu Ende gedacht, die vielen vorinstallierten Apps und die verspäteten Benachrichtigungen haben bei einem Smartphone dieser Preisklasse nichts verloren, und die Ultraweitwinkelkamera kann mit dem Rest des Setups nicht ganz mithalten.
Das größte Problem bleibt aber der Preis. 1.299 Euro sind sehr happig, auch wenn man sich das mit Vorbesteller-Rabatt, Zugabe und Eintauschprämie ein Stück weit schönrechnen kann. Das Find X10 spielt damit preislich in der absoluten Flaggschiff-Liga und muss sich mit iPhone, Galaxy und Pixel messen. Wer aber ohnehin mit einem Oppo-Flaggschiff liebäugelt, dem empfehle ich das Find X10. Es ist das deutlich realistischere Gerät und für die meisten die bessere Wahl als das Pro Max, denn auf die wenigen Extras des großen Bruders können die meisten im Alltag gut verzichten.




