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Huawei MatePad 11 im Test: Ein 400 Euro iPad Pro?

Huawei MatePad 11
Bild: TechnikNews
(Beitragsbild: © 2021 TechnikNews)

Spricht man über Tablets, so denken die meisten Leute direkt an das iPad. Diese besondere Position liegt daran, dass Apple durch das eigene Betriebssystem immer die eigenen Apps pflegte, während Google mit Android diesen Markt allmählich verließ. Letztendlich waren die Android-Hersteller, die ein Tablet vorstellen wollten, auf sich selber verantwortlich. Huawei hat diesen Markt selbstverständlich schon immer füllen wollen: Erst mit dem MediaPad und dann mit dem MatePad. Im Jahr 2021 ist das Tablet für die Masse das neue MatePad 11.

Für nur 399 Euro bekommt man hier einen Flaggschiff-SoC, 120Hz und vier Harman/Kardon-Lautsprecher geboten. Auf dem Papier ist es also ein richtig starkes Produkt, wie es sich aber in echt schlägt und mit dem iPad zum ähnlichen Preis vergleicht, wollen wir in diesem Test herausfinden.

Design & Verarbeitung

Schaut man auf das MatePad 11, so ist das lange Seitenverhältnis das Erste, was direkt auffällt. Es verwendet ein von iPads unübliches breites 16:10 Format. Dieses zeigt seinen Vorteil besonders beim Schauen von normalen 16:9 Videos, bringt beim Lesen von Text allerdings auch Nachteile mit sich, da man weniger Inhalt sieht. Die Vorderseite hat vier symmetrisch dünne Displayränder. Im Vergleich zum normalen iPad für 399 Euro sieht es sogar ziemlich futuristisch aus.

Huawei MatePad 11 vs Apple iPad 2021

Huawei MatePad 11 neben einem Apple iPad. (Bild: TechnikNews)

Die Rückseite und der Rahmen bestehen beide aus einem unüblichen Material, das aber definitiv mehr Kunststoff statt Aluminium ist. Auch in der Hand fühlt es sich deutlich weniger hochwertig an, besonders wenn es ohne Hülle verwendet wird. In der Hand ist das MatePad vom Gewicht durchschnittlich und beim Hochhalten natürlich deutlich schwerer als ein Smartphone. Der Kamerabump, der so aussieht als würde er ganze drei Sensoren beherbergen, steht für ein Tablet ziemlich weit hervor. Dies entspricht jedoch nicht der Bildqualität.

Display & Lautsprecher

Das Huawei MatePad 11 verwendet einen LCD Bildschirm, dessen Auflösung 2.560 x 1.600 Pixel beträgt. Damit kommt man auf eine Pixeldichte von 275 PPI. Das klingt nicht nach sonderlich viel, reicht für ein Tablet, das man aus weiter Distanz betrachtet, jedoch vollkommen aus. In Realität wirkt es mit ähnlicher Pixeldichte auch deutlich schärfer als das iPad, was vermutlich an der Subpixelanordnung liegt.

Das Problem bei diesem Panel ist eher die Farbdarstellung. Zwar unterstützt es den DCI-P3-Farbraum, jedoch sehen die Farben am Start sehr kalt und nicht so akkurat aus. Die Ausleuchtung ist LCD-typisch auch nicht sonderlich gut. Es gibt jedoch eine Funktion ähnlich wie True Tone bei Apple, welche die Farben des Displays an die Umgebung anpasst, was bei einem so großen Display schon human ist.

Im Vergleich sind die Lautsprecher deutlich besser. Beim MatePad 11 haben wir zwei Lautsprecher pro Seite verbaut, die alle durch Harman/Kardon abgestimmt wurden. Der Klang ist sehr voll und laut. Im Vergleich zum normalen iPad klingen sie viele Level besser. Das Tablet verfügt auch über einen Vibrationsmotor, der aber sehr leicht und qualitativ sehr schlecht ist, sodass man ihn im Alltag kaum bemerkt.

Performance & Akku

Viele sorgen sich eventuell um einen Abstrich bei der Performance. Hier kann ich Euch jedoch beruhigen, denn das MatePad 11 wendet den Qualcomm Snapdragon 865 SoC an. Als stärksten Prozessor des letzten Jahres ist er für alltägliche Aufgaben natürlich immer stark genug, der Ruf sollte mit Problemen beim Snapdragon 888 auch nicht unbedingt schlechter sein. Dadurch, dass ein Tablet deutlich mehr Platz für die Kühlung hat, wird die Leistung konstanter gehalten. Mit dem Tablet zu Zocken macht allein deswegen schon mehr Spaß, da man keinen heißen Rahmen in der Hand halten muss.

Das MatePad 11 wendet einen 7.250 mAh großen Akku an. Dadurch, dass er auch einen 120Hz LCD-Bildschirm versorgen muss, kann man schon vermuten, dass die Laufzeiten nicht sonderlich gut sein werden. Einmal am Tag aufzuladen, ist im Alltag fast immer notwendig. Nach meiner Verwendung war ich mit ihm jedoch zufrieden, ich habe das Tablet, immer wenn es ging, ein wenig an den Strom gesteckt. Aufgeladen kann es mit bis zu 22,5 Watt. Das ist nicht wirklich besonders, vor allem im Vergleich zu den aktuellen 66 Watt beim MatePad Pro. Für 399 Euro gehen die Ladezeiten aber völlig in Ordnung und im Vergleich zu einem iPad ist der Akku sogar schneller vollgeladen.

Zubehör – Tastatur & Stylus

Zusammen mit dem MatePad gibt es ein Tastatur-Cover sowie der Huawei M-Pencil der zweiten Generation. Ersteres dient auch als Case zum Schutz. Sein PU-Material ist sehr angenehm und hochwertig, das gesamte Konstrukt nicht sonderlich schwer. Die Tastatur selbst ist zum Tippen völlig ausreichend. Zwar sind für mich persönlich ein Notebook mit größerer Fläche und das Magic-Keyboard nach wie vor angenehmer, jedoch würde ich diese Tastatur definitiv dem alten Smart-Folio-Keyboard vorziehen. Lediglich die Magneten sind unten manchmal zu fest und oben zu locker, dass es beim Abnehmen etwas unangenehm werden kann. Bei einer kostenlosen Tastatur möchte ich mich aber nicht beschweren.

Der M-Pencil ist vom Verwenden schon deutlich angenehmer. Anders als bei iPadOS kann man mit ihm alle Gesten des Tablets bedienen und seine fettige Hand vom Bildschirm fernhalten. In einigen optimierten Apps schafft es mit seinen 120 Hertz eine niedrige Latenz von zwei Millisekunden. Das klingt im Vergleich zu den neun Millisekunden des Apple Pencils besser, jedoch konnte sich dieses Verhalten nach meiner Erfahrung nicht bewahrheiten, da auch die Apps optimiert sein müssen. Nur vom Schreibgefühl hat Apple nach wie vor die Nase leicht vorne. In der Hand ist der M-Pencil jedoch sehr angenehm und haftet zum Aufladen magnetisch oben am MatePad fest.

Software – HarmonyOS ohne Google-Dienste

Für viele ist der wichtigste Punkt am MatePad nach wie vor die Software. Vorinstalliert wird beim MatePad 11 die HarmonyOS 2.0 Benutzeroberfläche. Abgesehen von einigen obligatorischen Problemen hat sich Huawei eigentlich sehr viel Mühe gegeben. Wir haben intuitives Multi-Tasking mit verschiebbaren kleinen Fenstern, individuelle Anpassungen und vieles mehr. Wenn du über ein Huawei-Smartphone verfügst, ist auch die Verbindung mit diesem über HarmonyOS auch sehr ausgereift.

Das größte Problem an HarmonyOS-Tablets ist natürlich noch immer das Fehlen der Google-Dienste. Hier ist meine präferierte Lösung das Verwenden von alternativen App-Stores, wie beispielsweise APK Pure, da man sich nicht mehr über verschiedenen Quellen im Browser die Apps herunterladen muss. Damit kommt man auch an die meisten im Alltag verwendeten Apps, außer denen von Google selber, die ich ähnlich wie beim PC über den Browser verwende. Individuellere Anforderungen muss man natürlich selber recherchieren, zumindest für mich gab es damit absolut keine Probleme.

Und wenn Ihr lediglich Texte in Office und Notizen mit dem Stift auf dem MatePad schreibt, dann kommt dieses Bedenken erst gar nicht auf. Auch meine Lieblings-App für den Stylus „Nebo“ ist vorhanden. An Push-Benachrichtigungen in Twitter, eBay und einigen weiteren Apps ist leider nach wie vor (noch) nicht zu denken. Hier empfehle ich das Verwenden eines Google-Smartphones in Kombination.

Fazit

Am Ende dieses Tests fällt vielleicht auf, dass das Huawei MatePad 11 gar nicht so viele überraschende Veränderungen mit sich bringt. Dennoch ist es für mich persönlich vom Verwenden wirklich das angenehmste Tablet für 400 Euro. Den Preis muss man immer bedenken. Dafür bekommt man hier einen Snapdragon 865 mit 120 Hertz für das alltägliche Nutzungserlebnis, gute Lautsprecher, ein angenehmes Front-Design und HarmonyOS als Ökosystem. Umso mehr schade ist die Situation mit der Google-Software. Mein Fazit lautet daher: Wenn Dir die riesige Auswahl an Apps nicht so wichtig ist und du zum Beispiel nur ein paar Notizen und Word-Dokumente machst sowie YouTube schaust, dann ist es für den Preis mit Abstand das beste Tablet, das du finden kannst, mit einem Huawei-Smartphone zusammen sogar richtig produktiv. Wenn du wirklich bestimmte Apps bei iPadOS oder das Apple-System für beispielsweise AirDrop oder AirPlay benötigst, kennst du bereits deine Antwort.

Vergleich mit dem iPad 2021

Betrachten wir nur die Tablets, so suchen viele Leute den Vergleich zwischen dem MatePad 11 und dem iPad 2021, den zwei vielleicht anerkanntesten Tablets für 400 Euro.

Hardwareseitig sehe ich den Vorteil hierbei bei Huawei. 120 Hertz, vier Lautsprecher, laminiertes Display und so weiter. Das sind für mich wichtige Punkte, wo das iPad hardwareseitig zurück hängt. Natürlich hat das iPad 9 bei der Displayqualität sowie den verbauten Materialien ebenfalls einige Vorteile.

HUAWEI MatePad 11Apple iPad 2021
DesignKunststoff, dünne RänderAluminium, dicke Ränder
Display11″, 16:10, 120 Hertz10,2″, 4:3, 60 Hertz
Akku7.250 mAh, 22,5 Wattrd. 8.800 mAh, 15 Watt
LautsprecherVier Lautsprecher (Stereo)Zwei Lautsprecher (Mono)
Entsperren2D GesichtserkennungFingerabdrucksensor
Stylus2. Generation M-Pencil1. Generation Apple Pencil
AnschlussUSB-CLightning

Viele werden eventuell sagen, dass Apple den Vorteil bei der Software hat, wieso das iPad immer noch konkurrenzlos sei. Nach meiner Erfahrung würde ich es so formulieren: Apples iPadOS verfügt über mehr hochqualitative Applikationen wie bspw. Goodnotes oder Notability, jedoch sind die wichtigsten Apps auch bei Android vertreten, beim MatePad abgesehen von den Google Apps. Die bessere Optimierung ist mir persönlich gar nicht aufgefallen. Schlecht optimierte Apps, wie Instagram laufen auch beim iPad nicht besser, sogar etwas schlechter.

Letztendlich liegt die Entscheidung bei einem selbst, ich muss jedoch noch einmal an den Preis erinnern. Das iPad kostet in der Basisversion mit 64 Gigabyte Speicher 379 Euro und das MatePad 399 Euro, man bekommt jedoch bereits den Stift, das Tastatur-Cover und eine Bluetooth-Maus geschenkt. Diese Zubehör-Produkte kosten bei Apple noch einen Aufpreis. Die nächstgrößte Speicherversion sind bei Apple 256 Gigabyte für 549 Euro, beim MatePad 11 sind es 128 Gigabyte für 449 Euro. Von daher hat Huawei beim Preis, besonders mit dem Zubehör, einige Vorteile.

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Yinan Xia

Yinan interessiert sich schon sehr lange für Technik, insbesondere Smartphones. Daher fing er vor einem Jahr mit einem YouTube-Kanal an und berichtet nun für TechnikNews über aktuelle Technik, die ihn interessiert.

Yinan hat bereits 15 Artikel geschrieben und 3 Kommentare verfasst.

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