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Volvo EX90 (2026) im Test: Bis zu 680 PS und endlich 800 Volt

Volvo EX90 Beitragsbild
Bild: Volvo
(Beitragsbild: © 2026 Volvo)

Zwei Wochen lang stand ein Volvo EX90 Twin Motor Performance in der Farbe Mulberry Red vor meiner Tür. Mit 500 kW (680 PS), 103 kWh Akku und einer Peak-Ladeleistung von 350 kW liest sich das Datenblatt erstmal echt gut. Zudem hat das SUV seit neustem auch eine 800-Volt-Architektur. Was das sehr umfassende Update des Volvo EX90 im Alltag wirklich bringt, erfahrt ihr in unserem ausführlichen Testbericht.

Als Volvo dieses SUV im November 2022 in Stockholm präsentierte, war es das erste Modell der großen SPA-II-Plattform (Scalable Product Architecture 2) und sollte den Schweden den Weg in die Elektrozukunft ebnen. Der Anspruch war hoch: Es sollte der sicherste Volvo aller Zeiten werden, ein softwaredefiniertes Auto und der elektrische Bruder jenes Volvo XC90 sein, der die Marke seit 2002 im großen SUV-Segment repräsentiert hatte.

Mit dem Modelljahr 2026 hat Volvo den EX90 nun noch einmal grundlegend überarbeitet und ihm, wie wir bereits berichtet haben, eine 800-Volt-Architektur samt zwei neuen Rechnern verpasst. Genau diese Version stand bei mir und sie beantwortet die Frage, ob sich das Update gelohnt hat, überraschend deutlich.

 

Fazit zum Volvo EX90 (tl;dr): Super Langstreckenauto für die Familie

Der Volvo EX90 ist trotz seiner bis zu 680 PS kein auf sportliches Fahren getrimmtes Auto und versucht auch nicht, eines zu sein. Er ist ein sehr ruhiges und sehr sicheres Fernreiseauto mit ausreichend Platz für sieben Personen. Nach dem Update auf 800 Volt verfügt er mit bis zu 350 kW endlich auch über die Ladeleistung, die man von einem Langstreckenauto heutzutage erwartet. Ein kombinierter Verbrauch von rund 20 bis 21 kWh auf 100 Kilometer im Alltag ist für dieses Format zudem ein starker Wert. Wer regelmäßig zu siebt unterwegs ist, bekommt beim EX90 ein super Reiseauto, das richtig Spaß macht.

Zwei Dinge muss man jedoch in Kauf nehmen. Zum einen lässt sich das Leergewicht von ca. 2,7 Tonnen nicht wegdiskutieren, denn es prägt jede kurvige Ausflugsfahrt, weshalb die adaptive Luftfederung auf jeder Bestellliste stehen sollte. Zweitens bleibt die Bedienung über den Touchscreen ein Kompromiss, den Volvo zwar mit gutem Menüaufbau abmildert, der aber wahrscheinlich für manche dennoch lästig und gewöhnungsbedürftig ist. Wer Ruhe, Komfort und ein hohes Sicherheitsniveau in den Vordergrund stellt und das nötige Kleingeld hat, wird in diesem Segment aber kaum etwas Passenderes finden.

 

Stärken und Schwächen des Volvo EX90:

 

Stärken:

  • Guter Alltagsverbrauch von rund 20 bis 21 kWh auf 100 Kilometer
  • 350 kW Peak-Ladeleistung, 10 auf 80 Prozent in ca. 22 Minuten
  • Sehr gute Geräuschdämmung und hoher Federungskomfort auf langen Strecken
  • Sieben Sitze mit flachem Boden, gut nutzbarer dritter Reihe und rechteckigem Kofferraum
  • Sicherheitsausstattung auf sehr hohem Niveau
  • Zuverlässige Assistenzsysteme
  • Bowers und Wilkins Soundsystem mit 25 Lautsprechern und 1.610 Watt

❌ Schwächen:

  • Hohes Gewicht von 2,7 Tonnen in Kurven spürbar
  • Fast alle Funktionen laufen über den Touchscreen
  • Wechselstromladen (AC) nur mit 11 kW möglich, keine 22 kW optional
  • Hoher Autobahnverbrauch
Volvo EX90 Seitenansicht

Bild: Volvo

 

Design und Exterieur des Volvo EX90: Ruhig und elegant

Mit einer Länge von 5,03 Metern, einer Breite von 1,96 Metern ohne Spiegel und einer Höhe von 1,74 Metern ist der Volvo EX90 ein Brocken, wirkt aber nie so. Das liegt am Radstand von 2,98 Metern, am kurzen Vorderwagen und daran, dass Volvo konsequent glatte Flächen bevorzugt. Der geschlossene Kühlergrill in Wagenfarbe verbirgt zudem Lamellen, die sich je nach Kühlbedarf zwischen null und 90 Grad selbst einstellen. Die Türgriffe liegen bündig in den Türen und die Scheiben schließen plan mit den Säulen ab. Der Luftwiderstandsbeiwert von 0,29 ist für ein Auto dieser Stirnfläche auch sehr gering.

In der Farbe „Mulberry Red“, einem Metallic-Lack, der für 1.150 Euro Aufpreis erhältlich ist, sieht der Wagen nobel aus und ist deutlich zurückhaltender als die Konkurrenz. Ein Kia EV9 stellt sich kantig und breitbeinig hin und der Nio EL8 ist eher anonym unterwegs. Volvo bleibt schwedisch reduziert, was im Alltag angenehm ist, auf Fotos aber manchmal etwas zu brav wirkt. Die 22-Zoll-Räder des Testwagens helfen immerhin etwas dagegen.

 

Platzangebot: Sieben Sitze und viel Platz

Der Testwagen war ein Siebensitzer, also die Konfiguration, die für große Familien wahrscheinlich auch am meisten Sinn macht. Da kein Mitteltunnel stört und der Boden komplett flach ist, sitzt man in der zweiten Reihe hoch und aufrecht, ohne angewinkelte Knie. Die Sitze lassen sich in der Länge verschieben, sodass entweder der zweiten oder der dritten Reihe mehr Platz geboten werden kann. Der Einstieg in die dritte Reihe gelingt auch Erwachsenen ohne Verrenkungen.

Zwei Erwachsene sollten aber nur auf kurzen Fahrten ganz hinten Platz nehmen, Kinder und Jugendliche sitzen dort hingegen dauerhaft gut. Die dritte Sitzreihe verfügt über eigene Becherhalter, Telefonablagen und USB-Anschlüsse. Die Vierzonenklimaautomatik mit eigenem Bedienfeld für den Fond gehört bei Volvo außerdem zur Serienausstattung – das ist in dieser Klasse längst nicht selbstverständlich.

 

Kofferraum: Groß und schön tief

Volvo nennt 324 Liter hinter der dritten Sitzreihe, 697 Liter hinter der zweiten Sitzreihe und bis zu 2.135 Liter bei dachhoher Beladung und umgeklappten Sitzen. Wichtiger als die Zahlen ist jedoch der Zuschnitt: Es gibt kein hineinragendes Radhaus, die Heckklappenöffnung ist sehr breit und die Ladekante ist niedrig. Unter dem Boden befindet sich zudem ein zusätzliches Fach mit 65 Litern für Ladekabel und Kleinkram. Vorn unter der Haube im Frunk warten weitere 46 Liter, in denen zum Beispiel das Ladekabel verschwindet, ohne den Kofferraum zu belegen.

Die dritte Sitzreihe des Volvo EX90 lässt sich elektrisch per Knopfdruck versenken, die zweite muss von Hand umgelegt werden. Wer einen Anhänger ziehen möchte, kann eine Anhängelast von bis zu 2.200 Kilogramm nutzen und erhält die vollelektrisch ausfahrende Kupplung für 1.190 Euro Aufpreis.

 

Innenraum des Volvo EX90: Wolle statt Leder

Leder gibt es im Interieur des Volvo EX90 nicht mehr und es wird keine Sekunde lang vermisst. Im Testwagen lag die Polsterung „Tailored Wool Blend“ für 600 Euro auf den Sitzen. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus 30 Prozent Wolle und 70 Prozent Polyester, die sich trocken und angenehm anfühlt und auf langen Etappen weniger Schwitzen verursacht als Leder. Dazu kommen hinterleuchtete Echtholzeinlagen, die im Dunkeln ein warmes Licht abgeben. Die Vordersitze sind achtfach elektrisch verstellbar und bieten fünf Massageprogramme, die auf langen Fahrten zur Entspannung beitragen, auch wenn sie noch etwas stärker sein könnten.

Über allem liegt das feststehende Panoramaglasdach, das in der Ultra-Ausstattung über eine elektrochromatische Abdunklungsfunktion verfügt. Leider lässt sich die Scheibe nur komplett hell oder komplett dunkel schalten, Zwischenstufen fehlen. Dafür geht der Wechsel erfreulich schnell. Wer sich in dieser Klasse an Wohlfühlspielereien gewöhnt hat, vermisst allenfalls einen Kühlschrank in der Mittelkonsole, wie beim Nio EL8.

 

Infotainment und Konnektivität: Google ist an Bord, Knöpfe leider nicht.

Im Zentrum des Cockpits sitzt ein 14,5 Zoll großer Touchscreen im Hochformat. Dahinter arbeitet Android Automotive mit Google Maps, dem Play Store und dem Sprachassistenten Google Gemini. Hinter dem Lenkrad informiert zudem ein 9 Zoll großes Fahrerdisplay in drei wählbaren Ansichten. Dazu kommt ein Head-up-Display im Format 9 × 3 Zoll. Die Anzeigen sind scharf, die Menüs sind logisch aufgebaut und die untere Kontextleiste blendet Funktionen wie die 360-Grad-Kamera nur dann ein, wenn sie nutzbar sind. Für die Grafik sorgt ein eigener Qualcomm-Prozessor, Updates kommen Over-the-Air ins Auto. Wireless Apple CarPlay und Android Auto ist natürlich auch mit an Bord.

Trotzdem bleibt die Bedienung ein wunder Punkt beim Volvo EX90. Spiegel einstellen, Klimadetails ändern, Assistenzsysteme abschalten – all das läuft über das Display. Und dann ist da die Schlüsselkarte. Sie muss zum Aufschließen an den Türgriff gehalten und zum Starten in die Ladeschale gelegt werden. Das ist im Alltag mit vollen Händen einfach nur nervig. Die Lösung heißt Digital Key. Wer die Volvo Cars-App installiert und das Smartphone als Schlüssel hinterlegt, kann einfach zum Auto gehen, es öffnen und losfahren. Am besten erledigt man diesen Schritt gleich am ersten Tag, dann verschwindet das Ärgernis vollständig.

 

Soundsystem: 25 Lautsprecher und 1.610 Watt für 3.460 Euro

Serienmäßig ist der Volvo EX90 mit zehn Lautsprechern und 325 Watt ausgestattet. Ab der Ausstattungslinie Plus gibt es ein Bose-System mit 14 Lautsprechern und 940 Watt. Der Testwagen hatte die Ausbaustufe darüber, das High-Fidelity-System von Bowers & Wilkins mit 25 Lautsprechern, 1.610 Watt und Dolby Atmos für 3.460 Euro. Fünf Nautilus-Hochtöner, vier 3D-Lautsprecher im Dachhimmel, ein 250-Millimeter-Subwoofer und je zwei Aluminium-Lautsprecher in den Vordersitzen ergeben einen Klang, der Stimmen sauber in der Mitte hält und auch bei hoher Lautstärke nicht anstrengt.

Es stehen drei Hörmodi bereit. „Studio“ klingt neutral, „Individual Stage“ rückt den Klang näher an den einzelnen Platz und „Concert Hall“ bildet den Konzertsaal in Volvos Heimatstadt Göteborg nach, was verblüffend glaubwürdig klingt. Zum Vergleich: Im Volvo XC90 Plug-in-Hybrid baut Bowers & Wilkins 19 Lautsprecher mit 1.410 Watt ein – der EX90 legt also noch einmal einen drauf. Die 3.460 Euro sind zwar viel Geld, aber sie lohnen sich durchaus. Der Mediendrehknopf in Kristallglasoptik auf der Mittelkonsole ist ein nettes Bedienelement im Auto, das man auch blind erreicht.

 

Assistenzsysteme des Volvo EX90: Souverän auf der Autobahn

Der Testwagen war mit dem Pilot-Assist-Paket für 2.400 Euro ausgestattet, und dieses Geld ist gut angelegt. Das System hält bis 150 km/h super die Spur und den Abstand, bremst im Stop-and-go-Verkehr bis zum Stillstand ab, fährt selbstständig wieder an und übernimmt auf Wunsch sogar den Spurwechsel, sobald der Blinker gesetzt ist. Neu ist ein Kurvengeschwindigkeitsassistent, der das Tempo vor Kurven anhand der Kartendaten reduziert. Auf langen Autobahnetappen funktioniert das alles ruhig und ohne die nervösen Lenkkorrekturen, die man von manchen Wettbewerbern kennt.

Beim Rangieren hilft der Park Assist Pilot, der längs und quer selbstständig einparkt und beim Längsparken auch wieder ausparkt. Die 360-Grad-Kamera zeigt eine 3D-Ansicht, deren Auflösung allerdings hinter der von Wettbewerbern zurückbleibt. Der intelligente Geschwindigkeitsassistent meldet sich ab 20 km/h zuverlässig, lässt sich aber zum Glück auch schnell über einen Shortcut auf dem Display abschalten. Alles Weitere versteckt sich in Untermenüs.

 

Sicherheit: Hier legt Volvo weiter vor

Fünf Sterne im Euro NCAP (European New Car Assessment Programme) im Testjahr 2025 mit hohen Punktzahlen sowohl beim Insassenschutz für Erwachsene als auch bei der Kindersicherheit sind Pflicht. Die Kür steckt in der Sensorik. Acht Kameras, fünf Radareinheiten und zwölf Ultraschallsensoren liefern ein Echtzeitbild der Umgebung. Dieses wird von zwei NVIDIA-Prozessoren mit rund 500 Billionen Operationen pro Sekunde ausgewertet. In der Branche werden diese Operationen als TOPS (Tera Operations Per Second) bezeichnet. Der Sicherheitskäfig besteht aus warmgeformtem Borstahl und die Batterie sitzt in einem eigenen Aluminiumgehäuse mit integrierter Knautschzone.

Im Alltag merkt man vor allem zwei dieser Systeme. Das Fahrermonitoring verfolgt über Infrarotsensoren die Augenbewegungen und meldet sich, wenn der Blick zu lange von der Straße wandert. Notfalls bremst es das Auto bis zum Stillstand und setzt einen Notruf ab. Die Insassenerkennung nutzt ein Innenraumradar, das Bewegungen im Submillimeterbereich erfasst und somit selbst die Atmung eines schlafenden Kindes im Fond registriert. Solange sich jemand im Auto befindet, lässt sich der EX90 nicht abschließen. Dass Volvo die Höchstgeschwindigkeit weiterhin bei 180 km/h abriegelt, passt zu dieser Haltung – auch wenn dies auf deutschen Autobahnen mitunter als Einschränkung empfunden werden kann.

 

Antrieb des Volvo EX90: Bis zu 680 PS und One-Pedal-Driving

Bei der Twin Motor Performance Variante kommt vorne ein Asynchronmotor mit 220 kW (299 PS) und 390 Nm zum Einsatz, hinten ein permanenterregter Synchronmotor mit 280 kW (381 PS) und 480 Nm. Zusammen ergeben sich 500 kW (680 PS) und 870 Nm Drehmoment, wobei die Hinterachse deutlich stärker belastet wird. Der Sprint auf 100 km/h dauert 4,2 Sekunden, was bei einem Leergewicht von ca. 2,7 Tonnen wirklich bemerkenswert schnell ist. Alle Versionen haben zudem ein einstufiges Shift-by-Wire-Getriebe.

Im Alltag fällt der Antrieb vor allem dadurch auf, dass er nicht auffällt. Es gibt kein Getriebe- und kein Schaltruckeln, sondern nur ein sanftes, gleichmäßiges Vorwärtsschieben. Beim Einpedalfahren bietet Volvo mehrere Stufen, und hier lohnt sich das Ausprobieren. Die Stufe „Niedrig“ kommt dem gewohnten Verbrennerfahrgefühl am nächsten und ist die beste Empfehlung, wenn man das erste Mal ein Elektroauto fährt. Die Stufe „Hoch“ funktioniert nach kurzer Eingewöhnung ebenfalls gut und macht das Bremspedal im Stadtverkehr fast überflüssig. Der Automatikmodus, der die Verzögerung per Sensor an den Vordermann anpasst, fühlt sich dagegen etwas unberechenbar an.

 

Fahrdynamik und Handling: Komfortkönig mit Grenzen im Kurvengeschlängel

Der Volvo EX90 fühlt sich insgesamt schon schwer an und in Kurven noch schwerer. Auf der Geraden und auf der Autobahn hingegen ist das Auto grandios: Es bügelt Querfugen weg, hält die Karosserie ruhig und schluckt Fahrgeräusche so gründlich, dass Gespräche über drei Reihen hinweg mühelos möglich sind. Sobald es aber kurvig wird, macht sich die Masse bemerkbar. Die Lenkung arbeitet präzise, gibt aber wenig Rückmeldung, und der Aufbau neigt sich früher als erwartet zur Seite. Wer mit dem EX90 sportlich fahren will, kämpft gegen die Physik.

Technisch ist die Grundlage gut. Vorn hängen die Räder an Doppelquerlenkern, hinten arbeitet eine Integralachse, beides überwiegend aus Aluminium. Dazu kommen Frequenzselektivdämpfer an der Vorderachse. Für die Ausstattungsvarianten Plus und Ultra bietet Volvo zudem eine adaptive Luftfederung mit Four-C-Regelung an, die bis zu 500 Signale pro Sekunde auswertet und die Dämpfer entsprechend anpasst. Wer den Volvo EX90 kauft und viel Landstraße oder wartungsbedürftige Straßen fährt, sollte diese Option wählen: Es macht das Auto nicht leichter, beruhigt die Wankbewegungen aber deutlich.

 

Batterie: 106 Kilowattstunden und ein neues Spannungsniveau

Im Unterboden des Volvo EX90 liegt eine Lithium-Ionen-Batterie mit einer Bruttokapazität von 106 kWh, von denen 103 kWh nutzbar sind. Der entscheidende Fortschritt des Modelljahrs 2026 ist aber die Betriebsspannung von 800 Volt. Sie senkt die Ströme und damit die Wärmeverluste, wodurch dünnere Leitungen und deutlich kürzere Ladezeiten möglich werden.

Die Zellen sitzen tief und zentral zwischen den Achsen. Das verschafft dem Auto einen niedrigen Schwerpunkt und eine Gewichtsverteilung nahe 50:50. Zudem wird die Torsionssteifigkeit erhöht. Hardwareseitig ist der Volvo EX90 zudem auf bidirektionales Laden vorbereitet; die Freischaltung soll über ein späteres Update erfolgen.

 

Verbrauch des Volvo EX90: Sparsam im Alltag, durstig auf der Autobahn

Die Werksangabe für den Testwagen lautet 20,1 kWh auf 100 Kilometer nach WLTP. Der Bordcomputer meldete aber sogar darunter liegende Werte: rund 19 kWh in der Stadt und etwa 17,5 kWh auf der Landstraße. Solche Anzeigen fallen erfahrungsgemäß um fünf bis zehn Prozent zu niedrig aus, da die Ladeverluste nicht mitgerechnet werden. Ab der Steckdose landet der Volvo EX90 also eher bei 20 bis 21 kWh Verbrauch auf 100 Kilometer. Und selbst das ist für ein 2,8 Tonnen schweres Auto mit 22-Zoll-Rädern ein sehr guter Wert. Verantwortlich dafür sind unter anderem die serienmäßige Wärmepumpe und die konsequente Rekuperation über das One Pedal Driving.

Auf der Autobahn dreht sich das Bild. Dort zeigte der Bordcomputer 26 bis 28 kWh auf 100 Kilometer an, was real eher 27 bis 30 kWh entspricht. Das ist der Preis für eine Stirnfläche von 2,87 Quadratmetern und von einem Leergewicht von ca. 2,7 Tonnen. Wer den EX90 überwiegend im Umland und in der Stadt bewegt, fährt eines der sparsameren großen Elektro-SUVs. Wer täglich mit 160 km/h auf der linken Spur unterwegs ist, zahlt jedoch kräftig drauf.

 

Reichweite des Volvo EX90: Die große Batterie hilft

Der Volvo EX90 bietet je nach Modellvariante eine WLTP-Reichweite von ca. 569 bis 624 Kilometern. Für den Twin Motor Performance Testwagen gibt Volvo bis zu 598 Kilometer nach WLTP an, innerorts sogar 749 Kilometer.

Das ist nicht aus der Luft gegriffen: Mit realen 19 bis 20 kWh Verbrauch und 103 nutzbaren Kilowattstunden ergeben sich etwa 520 bis 540 Kilometer reale Reichweite bei gemischtem Fahren, im reinen Stadtverkehr sogar mehr. Auf der Autobahn schrumpft die Reichweite dann durch den höheren Verbrauch auf etwa 350 bis 390 Kilometer.

Volvo EX90 ladend

Bild: TechnikNews

 

Laden: Hier zeigt sich, was das Update wert ist.

Volvo verspricht eine Ladeleistung von bis zu 350 kW und den Sprung von zehn auf 80 Prozent in 22 Minuten. In der Praxis blieb man nur knapp dahinter zurück, was jedoch an der Säule und nicht am Auto lag: An einem 300-kW-Lader zog der Volvo EX90 bei einem Ladestand von 14 Prozent sofort die vollen 300 kW, ohne Anlaufphase und ohne Zögern. Von 13 auf 75 Prozent vergingen 21 Minuten bei einer Durchschnittsleistung von 193 kW. An einem Lader mit mehr Leistung sind die versprochenen 350 kW und 22 Minuten also durchaus realistisch. In zehn Minuten lädt das Auto nach Werksangabe Strom für 245 Kilometer nach, und diese Zahl deckt sich mit dem, was der Bordcomputer im Test anzeigte.

Beim Wechselstromladen gab es allerdings leider kein Update. Der Bordlader schafft maximal 11 kW, sodass eine volle Ladung an der Wallbox ca. zehn Stunden dauert. Wer regelmäßig an einer Säule mit 22 kW steht, ärgert sich, denn der Volvo nutzt davon nur die Hälfte. Unterm Strich gehört der Volvo EX90 nach dem Update zu den schnellstladenden großen Elektro-SUVs auf dem Markt.

Volvo EX90 Ladesäule

Bild: TechnikNews

 

Preis und Garantie des Volvo EX90: Er kostet schnell sechsstellig

Wer weniger Leistung aus Ausstattung braucht, bekommt den Volvo EX90 als Single Motor in der Core Ausstattung schon ab ca. 84.190 Euro. Der Volvo EX90 Twin Motor in der Topausstattung „Ultra“ beginnt bei 101.790 Euro. Das Performance Paket kostet nochmal 5.200 Euro zusätzlich. Unser Testwagen war zudem mit folgenden Extras ausgestattet: Winterpaket für 500 Euro, Pilot Assist Paket für 2.400 Euro, langes Laderaumrollo für 120 Euro, abgedunkelte Scheiben für 510 Euro, elektrische Anhängerkupplung für 1.190 Euro, Mulberry-Red-Lack für 1.150 Euro, Wollpolsterung für 600 Euro, Bowers-und-Wilkins-System für 3.460 Euro und 22-Zoll-Räder für 960 Euro. Der Gesamtpreis des Testwagens belief sich somit auf 119.180 Euro. Das ist viel, aber eben auch nahezu die Vollausstattung.

Zum Vergleich: Der Kia EV9 GT kostet in der Basis 90.490 Euro und der Hyundai IONIQ 9 Performance ist ab 82.850 Euro erhältlich. Beide bieten ein ähnliches Platzangebot und sind somit rund 10.000 Euro günstiger. Der Nio EL8 startet bei 105.900 Euro inklusive Batterie und der Lucid Gravity Grand Touring bei 119.900 Euro. Der Volvo platziert sich preislich also ziemlich genau in der Mitte. (Alle Preise in diesem Artikel sind Stand September 2026 und inklusive 19 % Mehrwertsteuer.)

Die Garantie umfasst drei Jahre oder 100.000 Kilometer für das Fahrzeug, acht Jahre oder 160.000 Kilometer für die Batterie und zwölf Jahre gegen Durchrostung. Der Volvo EX90 muss alle 24 Monate oder 30.000 Kilometer zum Service, was die laufenden Kosten angenehm niedrig hält.

Volvo EX90 Seitenansicht hinten

Bild: Volvo

Vielen Dank an Volvo Deutschland für die Bereitstellung des Volvo EX90 Twin Motor Performance für diesen Testbericht. Dies hat unsere Meinung nicht beeinflusst!

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Kasimir Hupe

Kasimir ist 29 Jahre alt und studierte nach seinem Bachelor in Technikjournalismus im Master Digitale Kommunikation und Medieninnovation. Er begeistert sich sehr für Smartphones, Wearables und das Thema Mobilität. Hier bei Techniknews testet er besonders gerne die neuesten Elektroautos, Plug-in-Hybride und Verbrenner für euch.

Kasimir hat bereits 36 Artikel geschrieben und 1 Kommentare verfasst.

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