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Samsung: Das (ehemalige) Problem mit dem Exynos

(Beitragsbild: © 2021 sammobile.com)

Samsung hat sich verändert. Von der Marke, die früher alles gegeben hat und eine der beliebtesten Marken überhaupt wurde, zu einer Marke, die teilweise unbeliebter ist, als man es je für möglich gehalten hat. Ich habe neulich eine Umfrage gemacht und 70 von 130 Leute haben gesagt, Samsung kommt für sie nicht infrage. Ich möchte heute darauf eingehen und klären, was genau passiert ist, und wie es dazu kam.

Fangen wir vielleicht ganz von vorn an, um zu verstehen, wie Samsung überhaupt erst groß geworden ist. Samsung bedeutet drei Sterne, der Konzern ist der weltweit größte Hersteller von Smartphones und einigen anderen Sachen. Doch Samsung wurde 1938 als eine Lebensmittelfirma in Südkorea gegründet. Nicht Nordkorea, Samsung kommt aus einem freien Land. Für einen besseren Überblick, wie mächtig Samsung ist: Wenn Samsung Probleme bekommt, kann das ganz Südkorea gefährden. Samsung Electronics ist aber nur ein Teil der Firmengruppe. Man kann theoretisch sein komplettes Leben auf Samsung aufbauen, da fehlt kein Teil – nur zur Einordnung, wie weitreichend Samsungs Firmenzweige sind. Damit nicht genug, sogar der Burj Khalifa stammt von Samsung. Aber wie kann eine Firma dieser Größe so an Ansehen verlieren?

Samsung Exynos Burj Khalifa

Bild: stern.de

Displays

Zuerst mal: Die Displays sind nicht das Problem. Samsung baut wahnsinnig gute Displays. Nahezu jedes Smartphone auf dem Markt hat ein Samsung-Display. Und auch wenn ich keine genaueren Informationen habe, könnte ich mir vorstellen, dass alle Smartphones, die ich aktuell besitze, Samsung-Displays haben. Und Samsung waren schon immer die, die die besten Displays hatten. Daran hat sich bis heute nicht geändert. Das sieht man bei auch bei den neuesten Flaggschiffen des Herstellers. Auch wenn die S21-Displays umstritten sind, setzt mindestens das S21 Ultra neue Maßstäbe. Oder vergleicht einmal ein Galaxy-A51-Display mit dem Panel eines Oppo A73 5G. Das Oppo hat wirklich kein schlechtes Display, aber Samsung spielt eine Klasse höher. Außerdem hat Samsung aus dem BendGate des iPhone 6 gelernt und einen Roboter entwickelt, der sich den ganzen Tag lang auf Galaxy-Smartphones setzt, um so die Robustheit zu testen. Samsung nimmt Sicherheit also ernst.

Software

Es liegt auch nicht an der Software. Neben Google ist Samsung die vorbildlichste Firma, wenn es um Software-Updates geht und auch die Hardware ist an sich nicht das Problem, auch wenn hier die Probleme langsam beginnen. Samsung baut für die meisten der europäischen Geräte ihre eigenen Prozessoren. Das ist an sich etwas Sinnvolles, was wir auch bei Huawei und Apple sehen. Allerdings hat man seit dem Galaxy S10 das Problem, dass ihre Exynos-Prozessoren nicht mit den Chips mithalten können, die in den USA verbaut werden. Da war das allerdings noch gar nicht schlimm, weil es in den Vorjahren meist andersherum war.

Es liegt am Exynos-SoC

Doch beim Note10 zeichnete es sich schon ab, und beim S20 wurde es endgültig Realität. Während die Akkulaufzeit bei den Geräten aus den USA phänomenal war, schauten die europäischen Geräte irgendwie doof aus der Wäsche. Das ging sogar so weit, dass ich meine Entscheidung, ein Galaxy S20+ 5G zu kaufen, verworfen habe. Und ab da wurde es cool, gegen Samsung zu meckern. Es fing zum Marktstart des S20 an, als sich viele Leute nach und nach von Samsung abgewendet haben. Vor allem das S20 Ultra bekam die meiste Kritik ab. Es sei nicht ausgreift genug, hörte man oft. Der Autofokus machte Probleme, Huawei hatte eine bessere Fotokamera, Oppo ein besseres Display und Apple eine bessere Akkulaufzeit. Die Performance war schlechter als beim Snapdragon-Chip und inkonsistent obendrein. Die Liste geht gefühlt noch ewig lange weiter. Doch Samsung ist ja schlau, gesteht die schlechtere Performance ein, entschuldigt sich, und alles ist okay… oder? Nein! Sie machten es noch schlimmer und behaupteten, beide Prozessoren seien gleich gut. Das ist eine glatte Lüge, wie einige Vergleichstests gezeigt haben. Der bekannte Technik-YouTuber Mrwhosetheboss machte ein Video über die Thematik gemacht. Und siehe da, der Exynos ist 25 Grad wärmer und gleichzeitig 20 % langsamer. Das ist die Art von Unterschied, die man im Alltag merkt. Und Wärme ist Energie. Wenn etwas warm wird, ist das Energie, die nicht zu Leistung wird – sie wird unbenutzbar. Also wird mehr Energie benötigt, um an ein Ziel zu bekommen, und das ist genau das, was man hier sieht.

Warum nicht nur den Snapdragon nutzen?

Also – versuchen wir zu verstehen, warum Samsung sich nicht auf einen der Prozessoren festlegt. Fangen wir mit dem Snapdragon an, weil das ziemlich selbsterklärend ist. Qualcomm baut diesen Chip, beziehungsweise lässt ihn von Samsung bauen. Das bedeutet: Wenn Samsung einen Snapdragon-Chip haben möchte, müssen sie zu Qualcomm gehen und sich welche kaufen. Und das kostet Samsung. Wenn in Eurem Garten Rosen wachsen würden, würdet Ihr ja auch nicht Rosen im Blumenladen kaufen. Und um sich das zu sparen, nutzen sie in vielen Regionen den Exynos, für den sie nur Entwicklung und Herstellung zahlen müssen. Den können sie allerdings nicht überall nutzen, was einen simplen Grund hat. Wenn Ihr eine SMS verschicken solltet, wird das hier in Deutschland und in vielen anderen Regionen über den Standard GSM geregelt. Das unterstützt der Exynos-Prozessor. Aber in den USA wird ein Protokoll namens CDMA genutzt. Das beherrscht der Exynos nicht so gut, während Qualcomm ihre SoCs mit CDMA im Hinterkopf herstellt. Warum Samsung es nicht hinzufügt, fragt ihr Euch sicher – das tue ich auch.

Samsung Galaxy S20 Plus 5G Test

Bild: © 2020 TechnikNews

Eine Vereinbarung?

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es eine Art Vereinbarung geben muss. Qualcomm lässt von Samsung ihre Prozessoren bauen, wodurch Samsung als erster Zugriff auf die neue Snapdragon.Generation bekommen kann, wenn sie das möchten. Wenn Samsung allerdings keine Chips von Qualcomm mehr kauft, lassen diese ihre Chips einfach bei TSMC oder so bauen. Das würde Samsung derbe Verluste einfahren.

Die Lösung

Dieses Jahr wirkt es allerdings so, als würde Samsung das in den Griff bekommen. Sie haben damit aufgehört, ihre Moongoose CPUs selbst zu bauen und haben sich stattdessen dazu entschieden, vorgefertigte zu kaufen und so ihre Exynos-SoCs herzustellen. Nächstes Jahr sollen die Prozessoren zudem AMD Graphics bekommen und vielleicht hat Samsung dann den Mut und das Know-how, überall richtig gute Exynos zu liefern und ihre Smartphones endlich wieder attraktiver zu machen. Das bereits erschienene Galaxy S21 macht einen guten Schritt in die richtige Richtung. Sobald TechnikNews die Geräte testen konnte, findet Ihr hier natürlich die Testberichte.

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Kenneth Fritsche

Kenneth ist schon seit längerem technikbegeistert und fing im Jahr 2019 mit YouTube an. Dort lädt er bis heute regelmäßig Videos hoch und schreibt nun für TechnikNews über die neuste Technik.

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