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Huawei P40 5G im Langzeittest: Besser als man denkt

Huawei P40 5G Rückseite
Bild: TechnikNews
(Beitragsbild: © 2021 TechnikNews)

Das ist das Huawei P40 5G, der kleine Bruder des P40 Pro. Mit einem kompakten Formfaktor und Preis fährt Huawei eine andere Strategie, die sich in Vergangenheit als erfolgreich einstufen konnte. 

Auch bei diesem Smartphone haben wir jedoch das bekannte Problem der fehlenden Google-Dienste. Ob es sich dennoch im Alltag gut schlagen konnte und ob der mittlerweile gesunkene Preis gerechtfertigt ist, erfahrt ihr in diesem Testbericht.

Design – Hochwertig

Die P-Serie ist als Flaggschiff-Serie mit Fokus auf die jüngere Zielgruppe designtechnisch immer nicht zu bemängeln gewesen. Es fehlt beim kleinen P40 zwar das Quad-Curve-Display, dennoch ist es auf einem hohen Niveau. Von vorne haben wir ein beinahe komplett symmetrisches Design mit geradem Display und dünnen Rändern. Die Punch-Hole ist zwar sehr groß, jedoch wirkt alles recht passend und sie gibt der Vorderseite in meinen Augen eine Stabilität, auch wenn sie trotzdem wirklich hätte kleiner ausfallen können.

Sehr dankbar bin ich dafür, dass Huawei bei den normalen Smartphones der P-Reihe die Größe entgegen des Trends immer relativ kompakt gehalten hat. 6,1 Zoll sind ein guter Kompromiss zwischen nutzbarer Fläche und dem In-Hand-Gefühl. Dafür spricht auch noch das Gewicht von 175 Gramm, das für heutige Verhältnisse wirklich sehr leicht ist.

Huawei P40 5G Vorderseite

Bild: TechnikNews

Immer noch begeistert bin ich jedoch von der Rückseite, denn die Farbe Silver Frost ist in meinen Augen eine der schönsten auf dem Markt. Gemeinsamen mit dem matten Material, dem hochglänzenden Metall-Rahmen und dem direkten Übergang in den wunderschönen Kamera-Hubbel mit Leica-Schriftzug als Kontrast fühlt sich das Huawei P40 5G sehr hochwertig und teuer an. Die Verarbeitung ist dem Preis ebenfalls entsprechend. Es gibt einen schönen Übergang zum Bildschirm und die Tasten haben gute Druckpunkte. Dabei sind alle einfach erreichbar, was unter anderem auch an dem kompakten Gehäuse liegt.

Display – Nicht High-End, aber ausreichend

Displayseitig verbaute Huawei ein 6,1“ großes OLED-Display von BOE. Mit einer Wiederholfrequenz von 60 Hertz gibt es hier einen sichtbaren Abstrich zu einigen Konkurrenten, denn die verbauen teilweise schon 90-Hertz- oder gar 120-Hertz-Panels. Ich finde diesen beim P40 jedoch nicht schlimm, denn gewöhnen konnte ich mich vergleichsweise sehr schnell. Genaueres dazu gibt es noch im Software-Bereich. Auch die Farbwiedergabe und Schwarzwerte sind OLED-typisch auf einem hohen Niveau.

Kommen wir zu den Schattenseiten: Die Schärfe von 2340×1080 Pixel klingt durchschnittlich, jedoch wirkt die Darstellung aufgrund eigener Pixel-Matrix von BOE etwas schwammig. Linien an kleinen Schriften können bei genauer Betrachtung nicht sauber abgerundet werden, aber im Alltag hat das nicht wirklich gestört.

Ebenfalls lassen sich Schwächen bei der Blickwinkelstabilität feststellen, denn bei Neigung des Displays verfärbt sich dieses sichtbar ins Gelbliche. Regenbogenfarbige Verfärbungen konnte ich jedoch nicht feststellen. Die maximale Helligkeit ist ausreichend, mehr aber auch nicht. Es gibt noch etwas Luft nach oben. Unten seht ihr einen Vergleich mit dem Apple iPhone 11.

Huawei P40 5G Bildschirm Blickwinkel gegen iPhone 11

Bild: TechnikNews

Performance – Kein Grund zur Kritik

Unter der Haube wirkt ein hauseigener Kirin 990 5G SoC. Zur Unterstützung stehen diesem 8 Gigabyte LPDDR4X Arbeitsspeicher zur Seite. Der Prozessor ist zwar nicht mehr der aktuellste, dennoch stärker als jeder Mittelklasse-Chip auf dem Markt. Auch im Alltag hatte ich nie Probleme. Apps starten extrem schnell, das Smartphone lief immer konstant und ohne Einbrüche. Spiele laufen ebenfalls sehr flüssig und oftmals mit 60 Bildern pro Sekunde.

Software – Perfekt mit einem Manko

Huaweis hauseigene EMUI-Software hatte in vergangenen Jahren nicht immer den besten Ruf. Meiner Meinung sollte sich das mit EMUI 11 aber ändern. Mir gefällt das Design richtig gut und folgende Punkte möchte ich einmal gesondert hervorheben:

  1. Animationen: Durch das Update wurden diese erneut verbessert. Überall in der Software sind sie einfach butterweich und super schön anzusehen. Das Schließen von Apps funktioniert zum Beispiel mit Hinter- und Vordergrund im App-Icon. Das Hintergrundbild wird dabei auch verkleinert. Im Multitasking-Menü geht zunächst die erste App vor, die anderen kommen wie magnetisch nach. Solche Details sind überall zu finden und haben mein Nutzungserlebnis wirklich stark verbessert. Durch die extreme Flüssigkeit ist es wie oben genannt ein Smartphone, bei dem ich das 60-Hertz-Display vollständig vergessen kann.
  2. Stabilität: Huawei ist mittlerweile echt gut darin, Soft- und Hardware aufeinander abzustimmen. Denn mit dem P40 hatte ich, anders als bei vielen anderen Geräten, noch nie Abstürze oder kleine Ruckler. Riesiges Lob dafür!

Das große Manko ist hingegen, wie erwartet, das Fehlen der Google-Dienste. Die Frage ist hier, ob man mittlerweile damit leben kann. Meine Antwort ist positiv. Solange man nicht extrem tief im Google-Kosmos hängt und nicht spezifische Banking-Apps braucht, die durch softwareseitige Restriktionen nicht funktionieren, geht alles. Ich hatte absolut keine Schwierigkeiten im Alltag. Man muss nur damit rechnen, alle Google-Apps (abgesehen von Translate und Chrome) über einen Browser-Shortcut zu verwenden oder auf Alternativen zurückgreifen zu müssen.

Akku – Klein, aber fein

Die Akkulaufzeit des P40 ist richtig gut, denn Huawei holt aus der Kapazität von nur 3800 Milliamperestunden sehr viel heraus. Mit vergleichsweise normaler Nutzung im WLAN komme ich im Alltag auf 7 bis 8 Stunden Displaynutzung, damit kommt man locker über einen Tag. Wenn man die Größe des Smartphones bedenkt, ist das fast beeindruckend. Ein Oppo Reno 4 hält im Vergleich bei mir mit mehr Kapazität ein bis zwei Stunden weniger.

Die kleine Enttäuschung ist hingegen bei der Aufladegeschwindigkeit zu finden. Mit dem mitgelieferten 22,5-Watt-Netzteil befindet man sich hier auf dem Standard des Huawei P10. Zum Start ist das Laden schnell, aber besonders gegen Ende wird die Geschwindigkeit stark gesenkt. Wireless Charging wird beim P40 nicht unterstützt.

Huawei P40 5G Auflade Diagramm

Bild: TechnikNews

Kamera – Einen Schritt voraus?

Huawei-Smartphones haben seit dem P20 Pro den Ruf von guten Kameras. Inwiefern sich das beim P40 fortsetzt, wollen wir nun herausfinden.

Die Hauptkamera ist hierbei der große 50 Megapixel Sony IMX700 RYYB-Sensor. Im Vergleich zum Pro fehlt nur die optische Bildstabilisierung. Dazu gesellt sich eine 16 Megapixel Ultraweitwinkelkamera und eine 8 Megapixel Zoomkamera, die mit 80 Millimeter Brennweite einem dreifach optischen Zoom entspricht.

Beginnen tun wir mit der Hauptkamera. Diese ist bei Tageslicht absolut in Ordnung. Farben sind nicht immer die realistischsten, jedoch meistens ästhetisch anzusehen. Der Dynamikumfang ist sehr gut, so auch die Schärfe. Wegen dem großen Sensor haben wir in dunkleren Bereichen nicht viel Bildrauschen. Die Ultraweitwinkel- & Zoomkamera spielen qualitätstechnisch absolut nicht auf Flaggschiff-Niveau mit, sind jedoch nice-to-have und definitiv besser als bei anderen 400-Euro-Smartphones.

Die Hauptdisziplin der Huawei-Smartphones ist jedoch die Nachtfotografie. Mit dem großen Sensor schaffen sie hier beeindruckend helle und realistische Aufnahmen. Das fehlende OIS macht sich aber stark bemerkbar, da man bei wenig Licht mit hoher Belichtungszeit ankämpfen muss. Das führt dazu, dass besonders im Nachtmodus Bilder schnell verwaschen werden, weswegen ich absolut nicht empfehle, diesen zu verwenden. Bilder im normalen Modus sind mit einem Klick deutlich schneller geschossen und mindestens auf dem gleichen Niveau, wenn man nicht mit einem Stativ fotografiert. Das ist teilweise echt beeindruckend.

Testaufnahmen

Im Folgenden seht ihr einige Testaufnahmen. Das Vergleichsgerät unterscheidet sich, da ich denke, dass man sich damit ein besseres Bild preisübergreifend verschaffen kann.

Sonstiges

Das Huawei P40 5G beherbergt einen Mono-Lautsprecher. Dafür klingt er recht gut, denn der Klang ist vergleichsweise voll. An Stereo-Lautsprecher kommt der Ton dennoch bei Weitem nicht heran, besonders wenn es um Räumlichkeit geht.

Im Display ist ein Fingerabdrucksensor integriert. Wie die 2D-Gesichtserkennung auch, funktioniert er richtig schnell und zuverlässig. Dazu ist er zu jedem Zeitpunkt ohne das Display zu aktivieren aktiv. Die angesprochene Gesichtserkennung funktioniert aufgrund eines Infrarot-Sensors im der Punch-Hole auch sehr gut bei Dunkelheit. Achtung: Sie ist aber immer noch zweidimensional.

Gut, aber nicht super ist der Vibrationsmotor. Es handelt sich um einen Z-Achse-Linearmotor. An Vibrationen wie die von Google oder Apple kommt er nicht heran, er ist dennoch aber für Leute wie mich, der sie überall aktiviert hat, absolut benutzbar und mindert das Gefühl der Hochwertigkeit nicht.

Fazit

Das Bewerten dieses Smartphones fiel mir tatsächlich recht schwer. Es kommt immer drauf an, ob man es für die UVP von 799 Euro oder den aktuellen Preis von rund 400 Euro kaufen möchte. Ersterer ist natürlich viel zu hoch. Man bedenkt nur das 60-Hertz-Display, das fehlende OIS und das langsame Aufladen. Für aktuell 400 Euro kann ich es jedoch auf ganzer Linie weiterempfehlen, da bei dem niedrigen Preis die Kamera, das Display oder die sonstigen Features wieder ins Positive rutschen.

Ich bewerte dieses Smartphone nun auch nach diesem Preis. Man bekommt dafür ein außerordentlich hochwertiges Design, eine richtig starke Performance mit extrem schöner Software, eine sehr gute Akkulaufzeit und eine hervorragende Kamera. Lediglich das Display stellt hier ein wenig den Kompromiss dar, den man im Alltag aber kaum bemerkt. Als kleinen Bruder der Reihe gibt es natürlich noch den Kaufgrund Kompaktheit, denn diese Hardware mit so guter Akkulaufzeit findet man selten in so einem kleinen Gehäuse.

Das größte Problem sind immer noch die fehlenden Google-Dienste. Hier muss jeder für sich selber entscheiden, ob man damit auskommen kann. Ansonsten handelt es sich beim Huawei P40 5G um ein hervorragendes Smartphone, das man ohne Bedenken kaufen kann.

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Yinan Xia

Yinan interessiert sich schon sehr lange für Technik, insbesondere Smartphones. Daher fing er vor einem Jahr mit einem YouTube-Kanal an und berichtet nun für TechnikNews über aktuelle Technik, die ihn interessiert.

Yinan hat bereits 7 Artikel geschrieben und 3 Kommentare verfasst.

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