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Sony Xperia 1 III im Test: Das etwas andere Flaggschiff

Vor ein paar Jahren war Sony vom Smartphone-Markt gar nicht mehr wegzudenken, doch mittlerweile spielen sie, zumindest wenn man den Verkaufszahlen glauben darf, kaum noch eine Rolle. Das soll sich nun mit dem neuen Sony Xperia 1 III ändern. Wie gut Ihnen das gelungen ist und ob sich ein Blick auf das neuste Flaggschiff aus dem Hause Sony lohnt, erfahrt ihr in diesem Test.

Betrachtet man nur das Datenblatt, so liefert das Sony Xperia 1 III alles was das Herz begehrt. Sogar einen 3,5 mm Klinkenanschluss, welcher in Flaggschiffen kaum noch zu finden ist.

Design – das Highlight des Xperia 1 III

Das Sony Xperia 1 III ist in Sachen Design anders als andere Flaggschiffe aus dem Jahr 2021, was ich absolut positiv meine. Mit Abmessungen von 165 x 71 x 8,2 mm ist es deutlich schmaler als vergleichbare Konkurrenten. Diese dünne Bauweise ist dem 21:9 Format geschuldet. In Kombination mit dem leichten Gewicht von nur 186 Gramm sorgt es dafür, dass Sony mit dem Xperia 1 III ein wahrer Handschmeichler gelungen ist.

Das kantige Design verleiht dem Smartphone zusätzlich noch einen wirklich guten Grip. Ich hatte lange kein Smartphone mehr hier, welches so angenehm in der Hand liegt. Sony-typisch gibt es wieder einen separaten Button für die Kamera und der Fingerabdrucksensor wurde erneut in den Powerbutton integriert. Dieser hat das Gerät in meinem gesamten Testzeitraum schnell und zuverlässig entsperrt. Neu dazugekommen, ist dieses Jahr neben einer zusätzlichen Taste für den Google-Assistant auch eine Rückseite aus mattem Glas. Wahlweise in Violett oder Schwarz. Mein Testgerät hatte die Farbe Schwarz, die mir außerordentlich gut gefallen hat. In meinen Augen sogar die schönste Rückseite eines Flaggschiff-Smartphones in 2021.  

Display – kompaktes Kino-Feeling

4K OLED, 10 Bit Farbwiedergabe und jetzt auch endlich 120 Hertz. Auf dem Papier klingt das Display des Sony Xperia 1 III nach einem wahren Augenschmaus für Content-Creator. Das 6,5″ große Display bringt es dank einer Auflösung von 3.840 x 1.644 Pixel auf beeindruckende 643 PPI. Schärfer geht es aktuell nicht. Hiervon bekommt man aber leider nicht immer etwas mit, denn das Xperia 1 III entscheidet selbst, wann es Inhalte in 4K und wann in 1080p darstellt. Das kennen wir so beispielsweise auch aus dem Xperia 1 und dem 1 II.

Wie auch schon in den vergangenen zwei Jahren setzt Sony auf ein Display im 21:9 Seitenverhältnis. In diesem werden übrigens auch Kinofilme ausgestrahlt. Doch gerade beim schauen von YouTube-Videos fällt das Seitenverhältnis negativ auf. Auch wenn 21:9 das gängige Kinoformat ist, werden viele Inhalte immer noch in 16:9 beziehungsweise in 18:9 produziert. Hier hat man dann entweder dicke schwarze Ränder, oder man croppt in das Bild und verliert etwas vom Inhalt.

Im Alltag hat mir das Panel aber dennoch ganz gut gefallen. OLED-typisch haben wir hier wieder hervorragende Kontrast- und Schwarzwerte. Stellt man in den Einstellungen das Display in den „Creator-Modus“, kann man die Vorzüge der 10 Bit Farbwiedergabe und BT.2020-Farbskala in vollen Zügen genießen. Im Vergleich zum „normalen Modus“ kann der „Creator-Modus“ aber vor allem mit einer deutlich besseren Farbwiedergabe punkten. Und auch wenn das 21:9 Seitenverhältnis beim Schauen von Videos Nachteile mit sich bringt, hat dieses Format auch etwas Positives an sich. So hat man es geschafft, relativ viel Displayfläche in einem recht schlanken und gut einhändig bedienbaren Gehäuse unterzubringen.

Was mir allerdings aufgefallen ist, dass die Helligkeit mal wieder nicht an an die der Spitzenkonkurrenz herankommt. Gerade bei direkter, heller Sonneneinstrahlung hätte das Display noch ein wenig heller sein können. Einige Kollegen berichten auch von einer leichten Verfärbung ins Grüne bei seitlicher Betrachtung, was mir allerdings nicht aufgefallen ist. Ich tippe hier einfach mal auf Qualitätsschwankungen in der Produktion.

Performance – sehr gut, was zu erwarten war

Snapdragon 888, 12 GB RAM, 256 GB an internem, erweiterbaren UFS 3.1 Speicher. Schon auf dem Papier liest es sich gut und so ist es kein Wunder, dass die Performance auch im Alltag überzeugen kann. Das Sony Xperia 1 III fliegt durch jegliche Anwendungen. Durch die 120 Hzertz Bildwiederholrate wirkt alles auch endlich flüssig und geschmeidig. Hier spielt es ganz vorne mit, was man für den Preis aber auch erwarten kann.

Auch der Snapdragon 888 im Xperia hat leider mit Hitzeproblemen zu kämpfen. Dies ist ein Problem, von dem leider viele Smartphones mit diesem SoC betroffen sind. Gerade nach dem Einrichtungsprozess oder einer etwas längeren Gaming-Session merkt man, wie das Gerät allmählich wärmer wird. Besorgniserregend heiß wurde es aber nie.

Software – fast reines Stock-Android

Als Software kommt die hauseigene XperiaUI zum Einsatz. Diese erinnert stark an Stock-Android, ist aber mit einigen zusätzlichen Funktionen, wie beispielsweise einem Konzentrationsmodus, ausgestattet. Mit an Bord ist auch wieder die Option auf einen Dark Mode, wobei „Grey Mode“ es eher treffen würde. Leider ist ab Werk auch einiges an Bloatware, in Form von Call of Duty Mobile, Asphalt 9, LinkedIn und Tidal vorinstalliert. Auch lässt die Update-Politik bei Sony etwas zu wünschen übrig. Mein Testgerät hatte tatsächlich noch den Sicherheitspatch vom April. Und auch wenn ich aus dem Grund, da ich das Xperia vor Markstart getestet habe, darüber hinwegsehen kann, ist gerade der garantierte Zeitraum von zwei Jahren in dem Updates versprochen werden, nicht flaggschiffwürdig.

Kamera – eine Sony Alpha für die Hosentasche?

Sony liefert die Sensoren für fast alle Smartphones auf dem Markt. Dem Xperia 1 III spendiert man gleich drei Sensoren. Eine 12 Megapixel Weitwinkelkamera, eine 12 Megapixel Ultra-Weitwinkelkamera und Telefotokamera mit ebenfalls 12 Megapixel, welche mit einer Besonderheit daherkommt. Denn als erster Hersteller verbaut Sony eine Kamera mit variabler Brennweite. Anders als Samsung mit dem Galaxy S21 Ultra oder Huawei mit dem P40 Pro+, die auf zwei separate Zoomlinsen setzen, verbaut Sony nur eine Telefotokamera mit variabler Brennweite von 70 und 105 mm.

Weitwinkelkamera

Als Hauptkamera verbaut Sony einen 12 MP Sensor, welcher mit einer Blende von f/1.7 und optischer Bildstabilisation daherkommt. Bei dem 1/1.7″ großen Kamerasensor handelt es sich im übrigen um den selben Sensor, der auch im Samsung Galaxy S21 und  S21+ zum Einsatz kommt. Deshalb, und auch aus dem Grund, dass Sony selbst im professionellen Kameramarkt mit ihren Alpha Kameras ganz oben mitspielen, hatte ich große Erwartungen an die Kamera des Sony Xperia 1 III. Diese wurden leider nicht alle erfüllt. Fangen wir zunächst mit der Hauptkamera an.

Bei Tag macht das Xperia wirklich ansehnliche Bilder. Schöne Schärfe, guter Dynamikumfang und ein hervorragender Autofokus. Vor allem bietet es die wohl natürlichste Farbdarstellung, welche ich je gesehen haben. Das Sony Xperia 1 III gibt die Bilder so wieder, wir Ihr sie auch in echt seht.

Dies wird dem Xperia aber gerade bei schlechtem Licht zum Verhängnis, denn durch die sehr realistische Darstellung der Bilder sind diese bei wenig Licht sehr dunkel. Darüber hinaus fehlt es an Bildschärfe und die Bilder rauschen. Hier ist tatsächlich die gesamte Flaggschiff-Konkurrenz besser. Ich habe die Hoffnung, dass das an schlecht optimierter Software liegt, denn die Hardware des Xperia 1 III hat definitiv Potential.

Ultra-Weitwinkelkamera

Auch bei der Ultra-Weitwinkelkamera handelt es sich um die selbe Linse, wie sie auch schon in der Galaxy S21 Reihe verbaut ist. Dementsprechend waren auch hier meine Erwartungen hoch. Hier wurde ich letztendlich weniger enttäuscht als bei der Hauptkamera, was aber vermutlich daran liegt, dass der Unterschied zur Konkurrenz hier mit einigen Ausnahmen kleiner ist. Ein Xiaomi Mi 11 oder iPhone 12 performen hier sogar noch schlechter. Ein OnePlus 9 Pro oder Oppo Find X3 Pro allerdings besser.

Wie auch schon bei der Hauptkamera kann das Xperia mit ordentlicher Schärfe, gutem Dynamikumfang und einer sehr realistischen Farbdarstellung punkten. Auch bei Lowlight ist es nicht ganz so schlimm, wie bei der Hauptkamera. Dies liegt vor allem daran, dass hier der Unterschied zur Konkurrenz nicht allzu groß ist.

Telefotokamera

Als erster Hersteller überhaupt verbaut Sony eine Kamera mit variabler Brennweite. Zwischen 70 und 105 mm kann man auswählen. Dies entspricht einem 2,9- beziehungsweise 4,4-fach optischen Zoom. Das ist aktuell einmalig auf dem Smartphone-Markt und das Herumspielen mit der Kamera macht auch wirklich Spaß. Leider kann die Bildqualität aber nicht auf ganzer Linie überzeugen. Es fehlt an Schärfe, Details und die Farbabstimmung kommt nicht an die der Hauptkamera heran. So beeindruckend die Technik dahinter auch ist, an die Qualität eines Samsung Galaxy S21 Ultra, Huawei P40 Pro+ oder Xiaomi Mi 11 Ultra kommt sie nicht heran. Dennoch finde ich es gut, dass Sony sich hier etwas getraut hat und ich sehe definitiv Potential darin.

Sony Xperia 1 III Zoom

Das Sony Xperia 1 III bietet als erstes Smartphone eine variable Brennweite. (Bild: TechnikNews)

Die Fotografie-Experience

Aber ein Xperia kauft man sich nicht als Point & Shoot Kamera, sondern wegen der Experience beim Fotografieren. Sony hat dieses Jahr die Standard Kamera App durch die „Foto Pro“ und „Video Pro“ App ersetzt. Diese erinnern stark an das Interface der Sony Alpha Kameras und lassen einem von der Belichtungszeit, über die ISO, den Weißabgleich und bis hin zur Blende wirklich alles manuell einstellen. So macht die Kamera dann auch richtig Spaß. Man merkt richtig, wie man die Kontrolle über die Kamera hat und das Fotografieren selbst in den Vordergrund rückt. Ich hoffe nur, dass die letztendliche Bildqualität noch mit einem Update verbessert wird.

Akku – das stromhungrige Display macht sich bemerkbar

Der Akku des Sony Xperia 1 III misst stolze 4.500 mAh und somit 500 mAh mehr, als noch beim Vorgänger. Doch die Kombination aus 120 Hz und der 4K Auflösung zieht ordentlich am Akku. Mit meinem Nutzungsverhalten kam ich immer so auf 4 bis 4,5 Stunden Screen-on-Time. Damit reiht sich das Xperia 1 III in die Reihe der Smartphones ein, mit denen man gerade so über einen Tag kommt. Immerhin unterstützt es wieder Wireless-Charging und dieses Jahr auch endlich etwas schnelleres kabelgebundenes Laden. Wenn auch nur mit 30W. Hier ist die Konkurrenz teilweise schon deutlich weiter.

Sonstiges – Hervorragende Audioeigenschaften und ein durchschnittlicher Vibrationsmotor

Neben wirklich gut klingenden Stereo-Front-Lautsprechern ist Sony neben Asus der einzige Hersteller, der seinen Flaggschiff-Smartphones noch einen 3,5 mm Klinkenanschluss spendiert. Auch wenn eigentlich fast alle heutzutage Musik über Bluetooth-Kopfhörer konsumieren und Sony selbst sehr gute Bluetooth-Kopfhörer herstellt, kommen diese klangtechnisch noch immer nicht an einen guten kabelgebundenen Kopfhörer in Kombination mit einem hochwertigen DAC heran. Im Kombination mit dem 21:9 OLED Display ist das Sony Xperia 1 III hervorragend für den Medienkonsum geeignet. Das tröstet ein wenig über den eher durchschnittlichen Vibrationsmotor hinweg.

Fazit

Sony wirft das Xperia 1 III für 1.299 Euro auf den Markt. Damit ist es abgesehen vom Galaxy Z Fold 2 und Z Fold 3 teurer als die gesamte Android-Konkurrenz. Für diesen Preis muss es abliefern, darf sich keine Schwächen erlauben und zumindest auf dem Papier wirkt das Smartphone beinahe perfekt. Ein 4K 120 Hz OLED Display oder auch die variable Telekamera sind einzigartig und machen das Xperia 1 III zu einem besonderen Smartphone. Doch ich bin der Meinung, dass man zuerst die Basics in den Griff bekommen muss. Sei es die unterdurchschnittliche Kamera und Akkulaufzeit, oder der Fakt, dass wir bei einem 1.299 Euro teuren Smartphone nur zwei Jahre lang mit Software Updates versorgt werden. Das Sony Xperia 1 III hat viele Baustellen, die es mir schwer machen, es für den gewünschten Preis weiterzuempfehlen.

Wir bedanken und bei Sony Deutschland für die Bereitstellung des Xperia 1 III!

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Jacob Kluge

Jacob ist 21 Jahre alt und schon seit längerer Zeit sehr technikbegeistert. Vor allem Smartphones sprechen ihn an. Aufgrund seiner Leidenschaft hat er 2018 einen YouTube Kanal gestartet und ist seit kurzem auch Mitglied im TechnikNews Team und schreibt Artikel. In seiner Freizeit ist er entweder mit der Uni beschäftigt oder hört Musik.

Jacob hat bereits 4 Artikel geschrieben und 3 Kommentare verfasst.

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SfY99

hi
danke für diesen Bericht. Leider muss ich sagen, dass entweder bewusst Sony hier ins schlechte Licht gerückt werden will oder der Tester leider, bedingt durch sein alter, nicht das nötige Wissen im Umgang mit diesem Gerät hat(te).

Ein vergleichbar sehr kurzer und oberflächlicher Bericht, geht deutlich besser.

Weiterhin viel Erfolg!!!